Spanien per Rad - eine Reise der Superlative
Ein Reisebericht von Johannes Meusel, unterwegs auf einem Carver San Franscisco von Fahrrad-XXL. (Oktober 2008)
Kurzübersicht
| Tourverlauf (Rad, Bahn, Bus) |
Madrid → Segovia → Coca → Arevalo → Avila → Madrid → Alcala de Henares → Aranjuez → Toledo → Consuegra → Consuegra → Alcazar → Mota del Cuervo → Belmonte → San Lorenzo → Cuenca → Palomera → Teruel → Cuenca → Barracas → Jerica → Navajas → Valencia → Almazora → Almazora → Castellon → Madrid | Tourabschnitt von Consuegra nach Cuenca |
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| Distanz | ca. 606 km mit dem Rad |
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| Empfohlene Internetseiten |
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| Empfohlene Literatur und Karten |
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Highlight einer Radreise durch Zentralspanien (nach oben)
Ziel der Radreise war der Besuch von 7 Weltkulturerbestätten, welche sich gut miteinander verbinden lassen: Segovia, Avila, Alcala de Henares, Aranjuez, Toledo, Cuenca und die Höhle mit Felsmalereien in einer Höhle bei Tirig und die Erkundung von 2 Bahntrassen-Radwegen .
Der Faszination der Provinzen Castilla la Mancha, Aragon und Valencia kann man sich auch als Radler kaum entziehen: romantische Täler wie das Jucar-Tal, die bizarren Felsen der verzauberten Stadt „Cidudad encantada“, zahlreiche Windmühlenensemble und kleine Burgen in der Castilla la Mancha, malerische Burgen wie Segovia und Coca, prächtige Schlösser in Madrid, Aranjuez, riesige Kirchen in Toledeo, Cuenca, Valencia, Stierkampfarenen, wunderschöne Renaissance-Architektur wie in Segovia, Avila oder Jugendstilarchitektur und Türme im Mudejarstil in Teruel, Palmen am Meer.
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Anlässlich des 400. Jahrestages der Veröffentlichung des Romans Don Quijote von Miguel de Cervantes im Jahr 1605 wurde die Touristenroute Don Quijote (Ruta de Don Quijote) geschaffen und kann auch mit dem Fahrrad erkundet werden. Die Route führt auf den Spuren des fiktiven Romanheldens, dem Ritter von der traurigen Gestalt, durch die Städte und Dörfer und Naturlandschaften der Mancha. Zahlreiche Denkmäler und Skulpturen erinnern an Don Quijote und seinen Knappen Sancho Pansa. In El Toboso gibt es sogar ein Museum zum Mythos von Don Quijote und seinem angebeteten Bauernmädchen Dulcinea (Casa de Dulcinea).
Im Oktober 2008 wurde diese Route von mir auf einer 12tägigen Fahrradtour getestet. So radelten wir auf verkehrsarmen Straßen und Bahntrassen-Radwegen durch Zentralspanien an die Ostküste. Da die Route für 2 Wochen zu lang war, wurden Teilabschnitte mit Bahn oder Bus bewältigt. Der Fahrpreis für Bus beträgt ca. 6 € für 100 km.
Spanien hat viele Berge. Dennoch kann man gut Rad fahren. Unsere Route pendelte zumeist zwischen 800 und 1200 Höhenmetern, d. h. es sind durchaus längere Steigungen zu bewältigen, aber es gibt natürlich auch schöne Abfahrten. Besonders attraktiv ist das Radeln auf sog. Bahntrassen-Radwegen. Unter der Bezeichnung „Vias Verdes“ werden seit einigen Jahren stillgelegte Bahntrassen für Radfahrer, Wanderer und Rollstuhlfahrer umgebaut. Die Brücken sind gut gesichert, längere Tunnel sind beleuchtet (Bewegungsmelder), die aber leider nicht immer funktioniert, so dass die Beleuchtung am Fahrrad intakt sein sollte. Die Oberflächenqualität ist unterschiedlich: teilweise wassergebundene Oberfläche, teilweise auch asphaltiert. Leider gibt es Abschnitte mit viel losem Splitt, was das Fahren erschwert. Dafür sind die Steigungen sehr gering (i. d. R. nur bis 3 %). Ein besonderes Erlebnis war die Teilnahme an einem Fahrradevent von der spanischen Radfahrerorganisation Pedallibre in Madrid.
Sehenswürdigkeiten (nach oben)
Die Route umfasst 6 Weltkulturerbestätten und eine Vielzahl anderer Sehenswürdigkeiten aus verschiedenen Jahrhunderten
Segovia: Schatzkammer der Romanik: trutzige Alcázar (17. Jh.), Adelspalast Casa de los Picos (16. Jh.), Kirche San Martin, gotische Catedral Santa Maria 16./17. Jh. , romanische Kirchen San Estaban und San Millán, Acueducto Romano (117 n. Chr.: 728 m lang, 28 m hoch, 118 Bögen), Paläste
Coca: Castillo de Coca (riesige Backsteinburg 15. JH. mit Türmen und Zinnen im Mudéjarstil)
Avila: 2557 m lange Stadtmauer (12 m hoch, 3 m dick) mit 88 halbrunden Türmen und 9 Stadttoren, Aussichtspunkt Cruz de los Cuatro Postes, Puerta de San Vicente, Puerte de Alcazar, Plaza Mayor, Kathedrale San Salvador (12./14. Jh.), Mansion de los Velada und Mansion de os Dávila, romanische Kirche San Vicente um 1100, Plaza de la Victoria, Convento de la Santa Teresa, Monatsterio San José
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Alcala de Henares: Kloster der Adoratrices, Palacio Laredo, Wallfahrtskirche San Isidro, Lollegium Santa Cataliona Mártir, Colegio Máximo der Jesuiten, Colegio del Rey, Klostre der Clarisas de San Diego, Kloster San Juan de la Penitencia, Teatro Salón Cervantes, Hospital de Antezana, Geburtshaus Miguel de Cervantes, Casa de la Calzonera, Kloster Convento de la Imagen, Puerto de los Mártires/Märtyrertor 1568, Erzbischöflicher Palast, Kloster der Bernardas, Archäologisches Museum, Stadttor Puerto de Madrid, Casa de los Lizana, Kloster der Minimos, Kloster Santa Catalina de Siena, Kloster-Kollegium der Merecedarios Descalzos, Kloster Neustra Señora de la Esperanza, Hospital Santa Marta la Rica, Universität, Casa de Hippolytus (Fußbodenmosaik)
Aranjuez: histor. Viertel mit Palacio Real (König Felipe II. um 1560: Chin. Salon, Thronsaal, Arab. Saal und Ballsaal) Raso de la Estrella, Jardin El Principe (größter und prächtigster Garten von König Carlos 1789 - 1808), Casa del Labrador (Haus der Landarbeiter mit viel Marmor, Mahagoni und Bronze), Museo de Falúas (reich verzierte Barkassen), Museo Taurino (Stierkampfarena - kostenlos)
Toledo: Altstadt Weltkulturerbe, Catedral Primado, Casa y Museo El Greco, Sinagogo El Transito, Sinagoga Santa Maria Blanca, Monasterio San Juan de los Reyes, Alcázar, Puente de San Martin, Hospital de Tavera mit Renaissancehof
Consuegra: Windmühlenensemble, Burg mit Huldigungsturm, Rathaus, Turm Torreón, Casa de la Tercia, Kirche San Juan, Kirche Santisimo Cristo (Votivbilder)
Alcazar de San Juan: Stadtmauer, Kirche Santa Maria 13. Jh., Museum mit römischen Mosaiken (Museo Arqueologico), Eisenbahnmuseum, Windmühlen, Denkmal Don Quijote/Sancho Pansa Campo de Criptana: Windmühlen, Ermita de Christo de Villaos
Cuenca: Weltkulturerbe: Catedral 13. Jh., Casa Colgadas (Hängende Häuser), Puente de San Pablo, Plaza Mayor mit Bogengängen, Catedral Santa Maria, Kirche San Miguel über der Schlucht des Rio Júcar, Museo de Arte Abstracto,
Ciudad Encantada (“Verzauberte Stadt”): Kalklandschaft mit interessanten Felsformationen und Verwitterungen (Pilzfelsen, Felsbrücken, Felslabyrinthe)
Teruel: San Salvador (Mudéjarturm 14. Jh.), Turm San Martin, San Pedro, Catedral (13./16. Jh. Im Mudejarsstil mit Verzierungen mit grünen und schwarzen Azulejos/Kacheln), Mausoleo de los Amantes
Valencia: Catedral 1262 - 18. Jh. mit 70 m hohem Glockenturm "Miguelete" u. Aussichtsplattform, Stadttore Torres de Serrano u. Torres de Quart (15. Jh.), Plaza del Ayuntamiento mit Wasserspielen und eleganten Bauten, Plazo del Mercado mit nostalgischen Krämerläden, Museo de Bellas Artes (Gemäldegalerie), Museos de Etnologica y Prehistorica (Museum für Völkerkunde), Oceanografico (Meeresmuseum, Aqaurien, größtes Delphinarium Europas)
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Höhle mit Felszeichnungen aus der Steinzeit (Museo de Valtorta bei Tirig: mit einem originalgetreuen Nachbau der Höhle sowie Besichtigung der Originalhöhle Cova dels Cavalls im Tal der Hirsche). Die Funde von Höhlenmalereien wurden 1998 als Teil des spanischen Mittelmeerbogens von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Zu den Begründungen der UNESCO gehörte vor allem die, dass der Korpus der prähistorischen Höhlenmalereien am Mittelmeerbogen der spanischen Ostküste zu den größten Funden von Höhlenmalereien Europas zähle und ein außergewöhnliches Bild des menschlichen Lebens in einer Zeit der kulturellen Entwicklung der Menschheit darstelle.
Madrid: Palacio Real (Königsschloss), Puerto del Sol mit Reiterstandbild des Königs Carlos III., Monasterio de las Descalzas Reales, Plaza Mayor, Plaza de la Villa, Plaza de España mit Cervantes-Denkmal und Don Quijotee, Palacio des Santa Cruz, Iglesia San Miguel, Plaza de Oriente, Teatro de la Opera, Augustinerkloster Convento de la Encarnacion, Kathedrale, Iglesia San Francisco el Grande, Puerto de Toledo
Hinweise zur Planung (nach oben)
Wenn man die Reise mit Karten und Reiseführern detailliert plant, entstehen natürlich viele Wünsche, was man sich anschauen will. Wichtig für die Planung ist, dass die täglichen Kilometer in der Regel weit mehr sind, als die Entfernungsangaben auf Autokarten, da durch Umwege, Stadtbesichtigungen u .a. meist mind. 10 % mehr zur geplanten Etappenlänge dazukommen. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass im Oktober die Tage erheblich kürzer sind als im Sommer, so dass man nicht vor 8.30 Uhr starten kann und spätestens 19 Uhr am Ziel sein muss, wenn man nicht nervige Dunkelfahrten in Kauf nehmen will.
Dazu kommen täglich zahlreiche Höhenmeter, die die Tageskilometer beeinträchtigen. Die beiden langen Etappen mit ca. je 100 km wurden zum Teil auf den Bahntrassen-Radwegen Via Verde del Tajuñ (Ambite - Morata de Tajuñ) und Via Verde de Ojos Negros (Teruel - Barracas - Navajas) gefahren. Abweichungen von der Planung sind oft auch witterungsbedingt notwendig. So sind wir statt der geplanten 50 km von Aranjuez nach Toledo wegen mehrstündigem Dauerregen und wegen fehlender Direktverbindung zwischen Aranjuez und Toledo mit dem Zug nach Madrid-Atocha gefahren und mit dem Rad zum Busbahnhof Plaza Eliptica und mit Bus nach Toledo (zwischen Madrid und Toledo fahren nur die Hochgeschwindigkeitszüge AVE, welche keine Fahrräder mitnehmen).
Länder- und Reiseinfos (nach oben)
Spanien gilt nicht als der große Hit bei der Wahl des Reisezieles für Tourenradler – aber als ein lohnendes Ziel allemal. Über die Hälfte der beträchtlichen Fläche Spaniens wird von Gebirgen und Hochebenen eingenommen, größere zusammenhängende Tiefebenen und gemäßigte Hügelregionen sind Mangelware – das schreckt viele Radler ab. Auch an den Küsten gibt es manche schweißtreibende Steigungen zu bewältigen. Im Sommer können außerdem hohe Temperaturen die Radtour zum Konditionstest machen – doch im Oktober lässt sich bei Temperaturen zwischen 12 und 24 Grad recht gut radeln. Am Morgen und insbesondere in Höhen über 600 m kann es sogar recht kühl sein und Pullover, Handschuhe und Mütze sollten darum unbedingt zur Ausrüstung gehören.
Es gibt leider keine ausschilderten Radfernwege in Spanien. Es gibt aber einen deutschsprachigen Radwanderführer für die Kolumbusroute in Andalusien (800 km: Granada - Cordoba - Ronda - Sevilla - Huelva) und einen Radwanderführer in Spanisch für die Route El Cid. Empfehlenswerten Karten für die Kolumbus-Route und andere Routen sind die ADAC-Karten (nur die Küstenregionen im Maßstab 1 : 250 000) und die Karten von Marco Polo (Spanien komplett 6 Karten im Maßstab 1 : 300 000). Leider enthalten die Karten ADAC-Karten und die Karten von Marco Polo keine Höhenlinien, Steigungspfeile oder Farbschattierungen, so dass man Steigungen nur erahnen kann. Das Streckenprofil lässt sich nur an Hand von Flüssen, welche überquert werden und Höhenangaben für Berge erahnen. Unsere Route pendelte zumeist zwischen 800 und 1200 Höhenmetern, d. h. es sind durchaus längere Steigungen zu bewältigen, aber es gibt natürlich auch schöne Abfahrten.
Spanien ist ein Ganzjahres-Radreiseland. Es gibt auf der gesamten Iberischen Halbinsel keine Region, in der selbst im Winter die Durchschnittstemperaturen unter Null sinken; die große Landesfläche, fast vollständig umgeben von unterschiedlichen Meeren, bewirkt aber, dass es ausgeprägte Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen gibt. Landesweit günstige Radreisetemperaturen bietet vor allem der Herbst, während der Frühling im Süden und Osten deutlich milder (aber feuchter) ausfällt als im Norden und in den zentralen Gebirgen und Hochplateaus von Kastilien. Man kann selbst im Sommer durch Andalusien radeln, wenn man sich von Temperaturen um 30 Grad nicht abschrecken lässt und ausreichend Flüssigkeit mitführt.
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Anreise (nach oben)
Bei 2 Wochen Urlaub gibt es für die Anreise kaum eine Alternative zum Flugzeug. Doch ist die Fahrradmitnahme im Flugzeug eine relativ unkomplizierte Anreisemöglichkeit in alle spanischen Regionen – schwierig ist nur die Fahrt mit dem Rad vom Bahnhof Berlin-Charlottenburg zum Flughafen Tegel, der weder U- noch S-Bahn-Anschluss hat und die Fahrradmitnahme im Bus wird in Berlin nicht toleriert. Wer seine Spanienfahrradtour nicht als Rundtour planen will, sollte einen Gabelflug buchen, weil das Spanische Eisenbahnnetz einige Lücken aufweist und es schwierig werden kann, mit Bahn an den Flughafen zurückzukehren.
Günstige Tarife bietet Air Berlin, wo auch problemlos und preisgünstig ein Gabelflug gebucht werden kann. Für Hin- und Rückflug bieten sich die Flughäfen Madrid-Barajas und Valencia an. Wir hatten uns aus finanziellen Gründen für den Madrid entschieden und sind von Castellon nach Madrid mit einem Nachtbus Bus zurückgefahren (Abfahrt 24.00 Uhr - Ankunft Madrid 5.00 Uhr). Die Busfahrt kostet 28 € + 9,85 € für das Fahrrad, doch man spart zugleich eine Übernachtung, so dass sich der Preis wieder relativiert.
Radfahren in Spanien (nach oben)
Meine Tochter, die 1 Jahr in Spanien studiert hat und seit 2007 in Spanien lebt, berichtete mir von chaotischen Verhältnissen bzw. Horrorszenarien für Radler auf spanischen Straßen. Doch wir erleben Spanien ganz anders: Die oft recht stark befahrenen Nationalstraßen verfügen gewöhnlich über einen Mehrzweckstreifen, der von Radfahrern genutzt werden kann. Aber selbst auf den Fernverkehrsstraßen (carretera de tránsito: auf der Karte rot) ist sehr wenig Verkehr. Auf den noch ruhigeren Nebenstraßen (carretera secundaria: auf der Karte gelb) gibt es extrem wenig Verkehr und man kann entspannt radeln.
Es gibt 3 Klassifikationen von Straßen: Nationalstraßen (Rot), Fernverkehrsstraßen (Grün) und Verbindungsstraßen (Gelb). Alle 3 Kategorien verfügen über eine Kilometrierung, was die Orientierung sehr erleichtert und gut für die Psyche ist, wenn man weiß, wie viel Kilometer man geschafft hat bzw. wie weit es noch bis zum Ziel ist. Durch den breiten Randstreifen fährt man auch auf stärker befahrenen Straßen sehr sicher und muss auch Lastwagen nicht fürchten.
Auf den kleineren Straßen ist wenig Verkehr (meist weniger als 5 – 30 Fahrzeuge pro Stunde) Problematisch sind nur stark befahrene Straßen oder mehrspurige Straßen im Umfeld der Flughäfen bzw. manche Ausfahrtsstraßen von größeren Städten. Doch gibt es manchmal parallel zu den Nationalstraßen innerhalb der Vororte noch kleine Straßen.
Unangenehme Überraschungen kann es jedoch geben, wenn ins Stadtzentrum nur eine Autobahn führt, wie wir es 2003 in Granada erlebt haben, da helfen dann meist nur freundliche Anwohner in den Vororten bzw. Außenbezirken weiter (Schleichwege über Feldwege o. ä.).
Auffallend war bei allen Radreisen in Spanien 2003, 2005 und 2008 die Rücksichtnahme der meisten spanischen Autofahrer, die weiträumig überholen (teilweise zur Warnung kurz hupen) und oft geduldig hinterher zuckeln bzw. abbremsen, wenn keine Möglichkeit zum Überholen besteht (kommt bei der geringen Verkehrsdichte nur selten vor). Ich habe auf ca. 600 km kaum riskante Überholmanöver oder gar ein Abdrängen erlebt. Da die Straßengräben oft sehr tief sind, wären gefahrvolle Überholmanöver für Radler auch nicht ungefährlich, da rechts kaum Platz zum Ausweichen bleibt, wenn es keinen Randstreifen gibt.
Fahrradtechnik
Für Radtouren in Spanien empfehlen sich robuste Trekkingräder, um auf unbefestigten Wegen keine Probleme zu bekommen. Eine Gangschaltung und gute Bremsen (günstig sind Scheibenbremsen) sind wegen der vielen Berge mit teils heftigen Steigungen und Abfahrten unverzichtbar.
Für die Spanier spielt das Fahrrad im Alltagsleben fast keine Rolle und wird nur als Sportgerät eingesetzt. Darum gibt es nur selten Sondereinrichtungen für Radfahrer (Radwege u. ä. – z. B. in Valencia). Spanien ist das einzige Land Europas mit Helmpflicht für Radfahrer außerhalb von geschlossenen Ortschaften.
Das Servicenetz von Werkstätten ist auch in kleinen Städten ausreichend, die Ersatzteilversorgung teils jedoch problematisch, so dass wichtige Teile nationaler Norm (Speichen, Bremsschuhe etc.) mitgenommen werden sollten.
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Fahrradtransport innerhalb von Spanien
Allen Unkenrufen zum Trotz (ADFC-Infoblatt Spanien 1999: „Die Fahrradmitnahme durch die Züge der staatlichen RENFE ist nicht klar geregelt und erfordert eine rechtzeitige Auseinandersetzung mit dem Bahnpersonal vor Ort.“ sowie „Offiziell ist die Fahrradmitnahme in Bussen nicht gestattet, doch gelegentlich werden auf Anfrage einzelne Räder kostenlos im Stau- bzw. Gepäckraum mitgeführt.“) hatten wir überhaupt keine Probleme und konnten unsere 2 Fahrräder 4 mal in Regionalzügen (z. T. auch ohne Fahrradabteil einfach im Einstiegsbereich) und 4 mal im (Fern)Linienbus (große Gepäckfächer, wo man die Fahrräder verstauen kann) mitnehmen - oft kostenlos (Toledo - Consuegra), einmal 1 € Zuschlag für Gepäck (Madrid - Toledo), 1 mal 6 € pro Rad (Cuenca - Teruel), 1 mal 9,80 € pro Rad (Castellon - Madrid).
Allerdings verkehren die Züge und Busse meist deutlich seltener als in Deutschland, so dass es sehr ratsam ist, sich rechtzeitig über die Verbindungen zu informieren, z. B. die kleinen kostenlosen Streckenfahrpläne der Regionalbahnen auf größeren Bahnhöfen zu besorgen oder im Internet die Verkehrszeiten zu recherchieren (www.renfe.es).
Wir konnten auf unserer Tour durch Zentralspanien das Fahrrad ohne Probleme auf folgenden Bahnstrecken Madrid - Segovia (9 mal pro Tag), Arevalo - Avila (an Werktagen 13 mal pro Tag), Avila - El Escorial - Madrid-Chamartin (25 mal pro Tag), Madrid - Alcala de Henares (S-Bahn-Züge als Doppelstockwagen im 20-Minuten-Takt).
Einfach und komfortabel reist man mit den Überlandbussen, die von privaten Gesellschaften betrieben werden. Räder und Gepäck werden in die geräumigen Fächer im Stauraum unter dem Bus geschoben, meist ohne Aufpreis. Nur manchmal tut sich der Busfahrer wichtig, spätestens dann helfen gute Sprachkenntnisse und Freundlichkeit. (nach Lindenberg S. 539).
Getestet wurde die Fahrradmitnahme auf 4 Buslinien (Madrid - Toledo, Toledeo - Consuegra, Cuenca - Teruel und Castellon de la Plana - Madrid). Es ist es jedoch wichtig, schon beim Kauf des Fahrscheins auf die Fahrradmitnahme hinzuweisen („con biciclet“ bzw. Fahrradhelm am Schalter zeigen).
Markierte Radrouten in Spanien
Markierte Radrouten oder Fernradwege sind in Spanien kaum zu finden. Seit 1993 gestaltet jedoch die Spanische Eisenbahn RENFE und das Umweltministerium die landschaftlich reizvollsten Bahntrasse zu Radrouten um. In Spanien gibt es 7.000 km stillgelegte Bahnstrecken, die stillgelegt oder nie eröffnet wurden. Solche Vias Verdes („Grüne Wege“) mit einer Länge von 20 – 60 km gibt es in ganz Spanien. Leider sind diese Routen nicht miteinander verknüpft. Es können mehrere Hundert Kilometer zwischen 2 Routen liegen. Alle Vias zeichnen jedoch sanfte Steigungsprofile ehemaliger Bahntrassen aus (max. 3 % Steigung). Ca. 700 km solcher Vias Verdes sind beschildert und befestigt. Ca. 1.100 km sog. Pionierrouten nicht befestigt – gelten aber als befahrbar. Infos zu den Vias Verdes gibt es im Internet unter www.viasverdes.com.
Übernachtung (nach oben)
Jugendherbergen sind hingegen relativ dünn gesät (nur ca. 100 im ganzen Land!), daß auf ihrer Existenz keine Radreise aufgebaut werden kann, zumal etliche in den bergigsten Teilen Spaniens liegen. Beim Spanischen Fremdenverkehrsamt gibt es eine kostenlose Übersichtskarte mit allen Jugendherbergen (Guida de Albergues Juveniles). Infos zu den Jugendherbergen findet man auch unter www.reaj.com und www.inturjoven.com Die Jugendherbergen haben recht guten Standard (2- und 4-Bettzimmer mit Sanitärzelle), die Preise liegen darum auch relativ hoch bei ca. 17 Euro pro Nacht (inclusiv Frühstück). Normalerweise wird der Internationale Jugendherbergsausweis verlangt, aber außerhalb der Saison (z. B. Februar) ist auch Übernachtung ohne Jugendherbergsausweis möglich. Das Frühstück ist aber nicht besonders üppig: ein größeres Brötchen, Margarine und Marmelade (keine Wurst und Käse).
Empfehlenswert sind Pensionen – oft helfen da Tips von Einheimischen weiter eine preisgünstige Übernachtung zu finden.
Camping ist sowohl auf ca. 800 Campingplätzen (vor allem an den Küsten) als auch in freier Natur möglich und erlaubt. Wie üblich benötigt man auf Privatgrund die Genehmigung des Besitzers, und in manchen Gemeinden können Beschränkungen für Teile des öffentlichen Landes bestehen (erkundigen). Die Preise für Camping sind recht günstig und betragen ca. 12 – 15 Euro für 2 Personen + Zelt. Im Sommer ermöglicht das Klima ggf. sogar das Nächtigen unter freiem Himmel ohne Zelt. Das freie oder wilde Campen ist jedoch in der Praxis oft schwieriger als vermutet. Es gibt (zumindest in den Bergregionen Andalusiens) kaum Wiesen oder ebene Flächen – oft führen die Straßen kilometerlang durch Hanglagen, felsiges Gelände oder endlose Olivenhaine mit stark lehmigen und lockeren Boden, wo man den Zeltboden kräftig verschmutzt und kaum Halt für Zeltheringe finden würde. Es ist in jedem Fall ratsam 1 – 2 Stunden vor dem geplanten Ende einer Etappe Ausschau nach einem geeigneten Platz fürs Zelt zu suchen.
Über alle genannten Unterkunftsarten gibt es bei den Fremdenverkehrsämtern Verzeichnisse; der voluminöse Hotelkatalog ist allerdings allenfalls für die Vorplanung einzusetzen.
Unsere Übernachtungen:
Camping: Aranjuez und Navajas (ca. 15 € für Zelt und 2 Personen)
Hostal: Avila, Alcala de Henares, Toledo, Mota, San Lorenzo, Teruel (Doppelzimmer 32 bis 50 €)
Privatunterkünfte: Madrid (Pedalibre), Palomera (Couchsurfing) und Almazora
(Couchsurfing: kostenlose Übernachtung weltweit: www.couchsurfing.com)
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