Kunstwegen
Kunstwegen - vom Münsterland nach Overijssel
Ein Reisebericht von Johannes Meusel, unterwegs auf einem Carver San Franscisco von Fahrrad-XXL. (Juni 2009)

Kurzübersicht
Tourverlauf
- 1. Tag: Anreise mit der Bahn und mit Fahrrad, Zwolle - Dalfsen - Ommen (42 km)
- 2. Tag: Ommen - Hardenberg - Gramsbergen (NL) - Laar - Emlichheim - Hoogstede (87 km)
- 3. Tag: Hoogstede - Uelsen - Nordhorn - Bad Bentheim (78 km)
- 4. Tag: Rückfahrt mit Bahn, Bad Bentheim - Dresden oder Nordhorn - Darfeld (Vechtequelle) - Coesfeld / Bahnhof (82 km)
Distanz
ca. 207 km mit dem Rad
Empfohlene Internetseiten
- Spezielle Infos zum Kunstwegen mit ausführlicher Streckenbeschreibung www.kunstwegen.org
- Niederländisches Fremdenverkehrsamt www.niederlande.de
- Touristinfo Grafschaft Bentheim www.grafschaft-bentheim-tourismus.de
- Niederländischer Radfahrerverband ENFB www.fietsersbond.nl
Der Routentipp für ein langes Wochenende
Die Vechtetal-Route führt über 223 km vom Münsterland durch die Grafschaft Bentheim bis in die niederländische Provinz Overijssel. Die Natur ist von der intensiven Landwirtschaft der Region geprägt.
Wer Erholung sucht, Wasser, eine weite und abwechslungsreiche Landschaft und anregende neue „Er-fahrungen“ (im wörtlichen Sinn) liebt, der findet mit dem „kunstwegen“ im deutsch-niederländischen Vechtetal ein höchst attraktives Kulturangebot. Zwischen Nordhorn und Zwolle radelt man durch das größte „Offene Museum“ Europas. Am Kunstwegen findet man auf einer Strecke von 130 km 67 Kunstwerke in der Grafschaft Bentheim und in der Provinz Overijssel.
Über einen Zeitraum von fast 30 Jahren entstanden in und um Nordhorn entlang der Vechte bis zum Kloster Frenswegen über 30 Kunstwerke. Sie machen heute und exemplarisch und auf internationalem Niveau die jüngere Geschichte der Kunst in den öffentlichen Raum nachvollziehbar.
Das lange Himmelfahrtswochenende kann man gut nutzen, um in 4 Tagen diese interessante Route abzuradeln. Auf Initiative der Städtischen Galerie Nordhorn erfolgte 1998 die Anbindung dieses Nordhorner Skulpturenweges an ein ähnliches Projekt in den Niederlanden. Für den Lückenschluss über die Grenze hinweg schufen insgesamt 15 internationale Künstler neue Werke, welche sich intensiv mit der örtlichen Geschichte und der Landschaft beschäftigen. Seit dem Sommer 2000 bilden diese mehr als 60 Skulpturenobjekte unter dem Namen „Kunstwegen“ das größte offene Museum Europas, welches zugleich zwei Nachbarstaaten miteinander verbindet. Die meisten dieser Kunstwerke stehen an 15 mit Infosäulen gekennzeichneten Projektstandorten unter freiem Himmel und sind für jedermann zugänglich. Die Infosäulen haben ein Farbsystem für unterschiedliche Informationen: Kunst (blau), Natur (grün), Geschichte (lila), Service (rot). Metallhülsen im Boden mit blauem Punkt an der Oberseite geben zu jedem Kunstwerk eine knappe Information: Name des Künstlers und Entstehungsjahr. Damit verfügt der Besucher über ein gutes Maß an Informationen und die Radtour wird zum echten Kunstgenuss.
Die Natur im Vechtetal ist von intensiver Landwirtschaft geprägt: Kanäle und Entwässerungsgräben durchziehen das Land. Die zahlreichen Kanäle dienten im 19. Jahrhundert als Transportwege für Baumaterial (Sandstein) und Torf sowie zur Versorgung der Bevölkerung. Auf niederländischem Gebiet korrigierte man 69 Flussbiegungen, was die Vechte um 30 km verkürzte. Die Kanäle waren für größere Schiffe geeignet und boten kürzere Verbindungen als die Vechte.
Die Vechtetal-Route ist gut ausgeschildert: In den Niederlanden als LF 16 (teilweise Routenvarianten LF 16b für den Kunstwegen), in Deutschland als Vechtetalroute.
• Niederlande: 76 km
• Deutschland: 82 km
Sehenswürdigkeiten
Reizvolle Sehenswürdigkeiten und Fotostops an der Route sind neben den Exponaten des Kunstwegen auch schöne Windmühlen (Dalfsen, Vilsteren, Ommen, Hardenberg, Veldhausen, Laar, Uelsen), hübsche Villen und schilfgedeckte Landhäuser und Bauerngehöfte, interessante Kirchen, Flugsanddüne „Sahara“ u. a.
Zwolle: Liebfrauenkirche, Grote Kerk, Altes Rathaus, Stadttor Sassenport, Thorbeckgracht
Dalfsen: Reformierte Kirche, Burg Rechteren, Westermühle, Buchweizenmühle, Landgut "De Horte", Herrenhaus "De Ruitenborgh", Herrensitz "Den Berg", Landhaus Het Laer, 21 histor. Frontons (z. B. Hausfassade Kerkplein)
Ommen: Reformierte Kirche, Kirchbrücke, Altes Rathaus, der Fluss Regge, Huise Laar 1850, Landgut "Eerde", Nationales Zinnfigurenmuseum
Hardenberg: Reformierte Kirche, Höftekerk, Historiekamer (Waffen, Trachten), Ölmühle, Huize Nijenstede, Denkmal Kleppermann (Nachtwächter), Rest der Stadtmauer
Gramsbergen: Reformierte Kirche, Ausgrabungsstätte "De Hoge Es", Burgruine "De Groote Scheere" 1493, Kruisstraat mit Häusern mit Fassaden aus Bentheimer Sandstein, Angermühle
Laar: Galeriewindmühle
Emlichheim: Reformierte Kirche mit Taufbecken (13. Jh.), Coevorden-Piccardie-Kanal (1878 - 1882), Erdölfeld
Neugnadenfeld: Kirche der Herrnhuter Brüdergemeine, Russenfriedhof
Lage: Wassermühle
Grabhügel Spöllberg mit 8 bronzezeitlichen Hügelgräbern und Kunstobjekt „Tumulus“ (Grabhügel mit 270 m langer Ankerkette)
Uelsen: Altes Rathaus, Windmühle 1779, Bronzezeithof (Lebensweise vor 3.000 Jahren)
Kloster Frenswegen: (Augustiner-Chorherrenstift mit 18 Kunstwerken in der näheren Umgebung
Nordhorn: Altes Rathaus, Povelturm und Povelsiedlung, Villa Niehus
Schüttorf: Historisches Rathaus, Marienkirche, alte fürstliche Wassermühle
Bad Bentheim: Burg und Schlosspark, Sandsteinmuseum, Geologisches Museum im ehem. Steinbruch mit steinernen Exponaten
Hinweise zur Planung
Wenn man die Reise mit Karten und Reiseführern detailliert plant, entstehen natürlich viele Wünsche, was man sich anschauen will. Wichtig für die Planung ist, dass die täglichen Kilometer in der Regel weit mehr sind, als die Entfernungsangaben auf Autokarten oder Radkarten, da durch Umwege, Stadtbesichtigungen u .a. meist mind. 10 % mehr zur geplanten Etappenlänge dazukommen.
Abweichungen von der Planung sind oft auch witterungsbedingt notwendig. So kann 1 Tag Dauerregen das geplante Kilometer-Limit schnell gefährden.
Länder- und Reiseinfos
Die Anreise nach Zwolle kann bei rechtzeitiger Reservierung und dem Kauf einer internationalen Fahrradkarte (2009: 10 €) bequem mit dem Zug erfolgen.
Mit IC-Zügen und EC-Zügen mit Fahrradabteil Richtung Amsterdam kann man Enschede erreichen. Dort Umstieg in die Regionalbahn nach Zwolle. Die Fahrkarte gibt es beim Sparpreis 50 mit Bahncard bis zur deutschen Grenze (z. B. Bad Bentheim) bereits ab 30 €. Die Rückfahrt ist ab Bad Bentheim möglich.
Fahrradmitnahme ist auch in allen grenzüberschreitenden Regionalzügen möglich.
Aktuelle Infos zu grenzüberschreitenden Bahnverbindungen mit Fahrrad über die Radlerhotline 01805/151415 (täglich 8 - 20 Uhr, 0,12 €/Minute). Fahrplanverbindungen in den Niederlanden unter www.ns.nl
Es gibt auch 30 Grenzübergänge zwischen den Niederlanden und Deutschland, viele über die sog. „Grüne Grenze“ wie an der Vechte bzw. am Kunstwegen bei Laar.
Radfahren in den Niederlanden
Das Fahrrad ist in den Niederlanden sehr stark in den Alltagsverkehr integriert. In manchen Städten bringt es der Radverkehr auf Anteil von bis zu 60 %. Angenehm für Radler ist das meist flache Terrain, kurze Distanzen zwischen sehenswerten Städten, viele Radwege und eine gut durchdachte (fast perfekte) Radwegweisung.
Fast jeder Ort hat ein Fahrradgeschäft bzw. eine Fahrradwerkstatt („fietsenmaker“). Die Werkstattleute sind meist sehr hilfreich und innovativ. Dennoch ist es empfehlenswert, wichtige Ersatzteile und das notwendige Werkzeug mitzuführen.
Markierte Radrouten in den Niederlanden
Rund 6000 km bereits vorhandener Radwege wurden in ein landesweites Radfernwegenetz integriert. Die rund 20 bisher realisierten Routen sind zwischen 20 und 400 km lang. Die standardisierte Beschilderung für Radfernwege ist grün auf weißem Grund. Die Buchstaben LF stehen als Abkürzung für Landelijke Fietsroute (Radfernweg) - gefolgt von der Routennummer und Routenbezeichnung (z. B. LF16a Vechtdalroute). Ein kleines „a“ dient als Richtungshinweis für die Hauptrichtung und ein kleines „b“ für die Gegenrichtung. Wegen der Hauptwindrichtung West - Ost sollte bei der Planung auch die West-Ost-Richtung als Vorzugsvariante genutzt werden.
Für Ortsverbindungsrouten ist die Beschilderung rot auf weißem Untergrund. Bei Themenrouten, wie dem Kunstwegen, sind dies oft kürzere direkte Routen ohne Umwege und Schlenker, dafür aber häufig auch als straßenbegleitende Radwege und landschaftlich nicht so attraktiv und ruhig.
Typisch für die Niederlande und Belgien sind die sog. Paddestoelen (Pilz-Radwegweiser) mit individuellen Nummern für jeden Knotenpunkt, welche auch in Radkarten vermerkt sind. Diese ermögliche eine perfekte individuelle Routenplanung.
Aktuelle Übersichten und Kurzbeschreibungen der LF-Routen befinden sich auf der Webseite www.fietsplatform.nl Hier können auch die speziellen Karten und Radwanderführer (gidsen) bestellt werden. LF-Führer sind auch in den Kartenläden des ANWB erhältlich (www.anwb.nl)
Übernachtung
Camping:
Mit über 2000 Campingplätzen weisen die Niederlande die höchste Dichte von Campingplätzen in Europa auf. Die meisten Plätze sind aber nur auf die Bedürfnisse von Caravanern zugeschnitten.
Campingplatzsuche unter www.niederlande.de/de/suchen/camping.jsp
Doch etwa 100 Campingplätze dürfen den Zusatz „Fietscamping“ führen. Dort können Radler auch auf belegten Plätzen mindestens 1 Nacht verbringen, wenn sie vor 19 Uhr eintreffen. Diese Plätze haben oft auch Reparatur- und Trockenräume. Sie sind in den Karten „Landeslijke Fietsroutes“ verzeichnet.
Die andere Alternative heißt „Mini-Camping“. Mitglieder der Stichting Vrije Recreatie (SVR) dürfen auf rund 1000 Bauernhöfen und ähnlichen privaten Grundstücken ihr Zelt für wenig Geld aufschlagen.
Ähnliches gilt für die Stichting Natuurkamptereinen, die ihren Mitgleidern einfache, ruhige Zeltplätze zur Verfügung stellen. Infos unter www.naturkamptereinen.nl.
Zimmer und Pensionen:
- Hotels, Pensionen und Herbergen gibt es meist in ausreichender Anzahl und Dichte. DZ in einfa¬chen Häusern ab 15 €, in den Sommerferien in touristisch beliebten Orten können diese allerdings ausgebucht sein.
Die Jugendherbergen des Landes (neue Bezeichnung „Stayokay-Hostels) verteilen sich in Abständen von 10 - 70 km übers Land. Reservierungen ratsam, Details unter Netherlands im IYHF-Führer.
Radlerpensionen mit speziellen Angeboten für Reiseradler: www.stayokay.com
Bed & bike: Radfahrer Willkommen!
„RadfahrerInnen Willkommen“ ist ein Zertifizierungssystem für radfreundliche Betriebe (Unterkunft, Gastronomie und touristische Destinationen)
Dazu gehört das Angebot von Übernachtungen für nur 1 Nacht ebenso wie verschließbare Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, ein kleines Fahrradwerkzeugsortiment, Informationsmaterial für Reiseradler u. a.
Das System regelt sich nach Kriterien, die vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) für radtouristische Betriebe in Deutschland entwickelt worden sind. www.bettundbike.de
Private Übernachtungen
Für Reiseradler ist die Mitgliedschaft im Fahrrad-Dachgeber und für die Niederlande in verschiedenen internationalen Übernachtungsverzeichnissen auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit vorteilhaft. Der Kontakt für Absprache von Terminen sollte rechtzeitig per e-Mail erfolgen. Dabei kann man sehr nette Menschen kennen lernen, bekommt oft hilfreiche Insiderinformationen und wird oft noch zum Essen eingeladen mit landestypischen Spezialitäten.
www.warmshowers.org (nur für Radfahrer)
www.couchsurfing.com
www.belodged.com
weitere Kartenempfehlungen
• Infos Radwanderkarten und Fernradwege Niederlande:
Stichting Landelijk Fietsplatform, Postbus 846, NL-3800 AV Ammersfort, Tel. 0031/033-4653656, Fax 4654377, www.fietsplatform.nl
• Bureau Publica (Hg.): Vechtetalroute (LF 16) - 245 km Radfahren zwischen Zwolle und Darfeld von der Mündung bis zur Quelle (Routenbeschreibung wie gefahren in West-Ostrichtung), mit Routenbeschreibung, Infos zu Sehenswürdigkeiten, ausführlichen Hintergrundinfos, herausnehmbare Karten für die Lenkertasche im Maßstab 1 : 100.000, ISBN 90-805612-3-1
• ANW-Touristenkarten (flächendeckend 16 Blätter) mit den Nummern der Pilzwegweiser (Paddestoelen)


