Stressbewältigung mit dem Fahrrad, geht das?
Die Evolution war zu schnell für unser Stress-System
Chronischer Stress ist eine der großen Volkskrankheiten des 21. Jahrhunderts, so leidet etwa jeder zweite bis dritte Deutsche unter den Folgen.
Erklärungen dafür lassen sich in der drastischen Veränderung unseres Sozialverhaltens finden. So hatten etwa unsere Vorfahren der Steinzeit in bedrohlichen Situationen die Wahl zwischen kämpfen oder davonlaufen. Stresshormone wie Kortisol und Adrenalin gaben dem Körper die dafür nötige Leistungsfähigkeit. Obwohl ein derartiges Verhaltensmuster für uns heute undenkbar ist, sind diese Körperfunktionen noch heute die Gleichen wie damals.
Während der Mensch von heute sich beispielsweise von seinem Vorgesetzten beschimpfen lässt ohne sich dagegen zu wehren, da er etwa Angst um den Arbeitsplatz hat, hätte der Mensch der Steinzeit wohl ganz anders reagiert und seinen Stress und Ärger damit abbauen können. Dem menschlichen Stress-System fehlte die Zeit, sich an die Bewegungsarmut der modernen Gesellschaft und an die dauerhafte Belastung von Stressfaktoren anzupassen. Dies gilt als Bedrohung für das seelische Gleichgewicht des Menschen.
Aus diesem Grund müssen wir den richtigen Umgang mit Stress lernen.
Stress in Maßen fördert die Motivation und spornt uns zu Höchstleistungen an. Auf eine Stressphase sollte jedoch immer eine Entspannungsphase folgen in der Stress erfolgreich abgebaut werden kann. Andernfalls kann Dauerstress krank machen. Diabetes und ein chronisch erhöhter Blutdruck können die Folge sein. Schlimmstenfalls droht ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall.
Leiden Sie unter Stress?
In der folgenden Übersicht sind Symptome dargestellt welche auf chronischen Stress zurückzuführen sind. Ob auch Sie betroffen sind, finden Sie hier ganz leicht heraus:
Symptome:
| Hormonell | Emotional | Muskulär | Geistig |
|---|---|---|---|
| schnelle Atmung und Pulsschlag hoher Blutdruck schwitzen trockener Mund Kurzatmigkeit flaues Gefühl im Magen Kloß im Hals weiche Knie | Ärger Gereiztheit Angst Verunsicherung Nervosität | Fußwippen Zittern Kopfschmerz Rückenschmerzen Nackenschmerzen | Konzentrationsmangel „Black-Outs“ Im-Kreis-Denken |
Welcher Stress-Typ sind Sie?
Stressexperte Prof. Dr. Christoph M. Bamberger vom Universitätsklinikum Hamburg unterscheidet zwischen drei Stresstypen:
Ursachen von Stress
| Ausprägung | Sie können sich kaum entspannen. Sie sind ehrgeizig und sind von Konkurrenzgefühlen und Verbissenheit geplagt. Ihre Freizeit können Sie nicht in vollen Zügen genießen. | Ihnen fehlt die Übersicht über die auf Sie einwirkenden Stressfaktoren und sind in Sachen Stressbewältigung völlig desorganisiert. | Sie vernachlässigen Ihre Gesundheit in Stressphasen. Die krank machende Wirkung von chronischem Stress ist Ihnen nicht bewusst. |
| So helfen Sie sich selbst | Suchen Sie sich eine Entspannungstechnik, z.B. Yoga oder autogenes Training. | Notieren Sie ihre wöchentlichen Aktivitäten und trennen Sie sich von überflüssigen Dingen. | Bauen Sie regelmäßige Bewegung in Ihren Alltag ein. Sie sind so vor stressbedingten Krankheiten geschützt. |
Radfahren als Medizin
Bei Stress wird dem neben dem Stresshormon Adrenalin auch das Stresshormon Kortisol ausgeschüttet. Es hat ähnliche Effekte wie Adrenalin, nur baut es sich langsamer auf und hält länger an.
Kortisol wird in der Nebennierenrinde gebildet und lässt uns Nachts nicht schlafen. In hohen Dosen wirkt Kortisol wie ein Zellgift. Chronisch gestresste Menschen mit einer Dauerproduktion von Kortisol laufen Gefahr, an Osteoporose zu erkranken, ein Burn-Out-Syndrom oder eine schwere Depression zu entwickeln. Zudem fördert Cortisol die Fetteinlagerung im Bauch. Und Bauchfett überschwemmt den Körper mit schädlichen Substanzen, die Blutzucker, Blutfette und Blutdruck erhöhen.
Ein wirksames Gegenmittel für diese Symptome ist das Radfahren, welches dem Stressabbau in zweierlei Hinsicht entgegenwirkt. Zum einen durch die Bewegung und zum anderen wirkt es auch als Entspannungstechnik. Durch die Gleichmäßigkeit der Bewegung welche beim Radfahren herbeigeführt wird, kann ein meditativer Zustand erzeugt werden, welcher dem Stress in besonderer Weise entgegenwirkt.
Nach dem Ausdauertraining wird für den Rest des Tages weniger Kortisol freigesetzt, Blutzucker kann besser abgebaut werden und der Blutdruck wird gesenkt. Das Risiko an Diabetes oder Bluthochdruck zu erkranken wird damit erfolgreich abgewehrt.
Radfahren und andere Ausdauersportarten kurbeln die Lebensfreude an und steigern das Selbstwertgefühl. Depressive Verstimmungen werden dadurch verringert.
Wichtig ist jedoch immer die richtige Dosis, welche Sie beachten sollten damit Stressabbau nicht zu erneutem Stress führt:
- mindestens: drei Mal pro Woche 30 Minuten
- ideal: fünf Mal pro Woche 45 Minuten
- höchstens: sieben Mal pro Woche 120 Minuten
Die Pulsfrequenz sollte dabei einen Wert von 75 Prozent des Maximalpulses (220 minus Lebensalter) haben.


