Feb 11

Der E-Bike Markt 2019 – Orientierungshilfe in einer wachsenden Vielfalt

Früher war alles einfacher…

Im Jahr 2012 war der Kauf eines E-Bikes noch eine recht einfache, überschaubare Angelegenheit: Man wollte dazugehören, endlich mitreden können und hatte eine ungefähre Vorstellung, was so ein E-Bike kostet. An einen Online-Kauf war noch nicht zu denken und der kleine, renommierte „Fahrradhändler um die Ecke“ stand dem Thema noch eher skeptisch gegenüber. Also los zum Fahrrad Großhandel. Die Auswahl fiel dann nicht schwer – der Antrieb war fast zwangsweise von Bosch, und ansonsten konnte man froh sein, für den künftigen Anwendungszweck in der korrekten Rahmengrösse überhaupt etwas zu finden. Einen speziellen, eigens geschulten E-Bike Verkäufer suchte man seinerzeit vergebens. Wenn, dann hatte man die Sparte einem Verkäufer „aufs Auge gedrückt“…

Wie sich die Zeiten doch ändern – wir haben Stand Januar 2019 in unserem Online Shop etwa

in einer Preisspanne von 1.099 € für ein Kreidler Vitaly bis zu 9.999 € für ein Haibike Xduro FullSeven Carbon 10.0.

In unseren Filialen findest du mittlerweile gleich mehrere, speziell auf E-Bike geschulte Verkäufer, welche Jahr für Jahr mehr Ausstellungsfläche für sich beanspruchen und den „traditionellen“ Verkäufer Kollegen den ein oder anderen Kunden auch schon mal abgeworben haben: Nicht selten endete der geplante Kauf eines E-Bikes für die Ehefrau im Kauf eines „Doppelpacks“…

Wie hat es ein Kollege in der Filiale so treffend auf den Punkt gebracht: „Zu erleben, wie anfängliche Skepsis spätestens nach einer Probefahrt in Begeisterung  umschlägt, ist für mich und meinen Job  Motivation pur“.

Der E-Bike Markt 2019

Eines vorweg – wenn du dir 2018 ein neues E-Bike gegönnt hast, dann kannst du entspannt weiterlesen – den Fahrspaß der letzten Saison kann dir keiner mehr nehmen und auch das E-Bike Jahr 2019 wird kein Jahr der Revolution in Sachen Akku- oder Antriebstechnologie.

Was ist nun für das E-Bike Jahr 2019 festzuhalten?

TQ HPR 120 S / 120 NmTQ HPR 120 S / 120 Nm

Antriebe

  • Die Begriffe „Haibike“ & „TQ“  gehören seit der Eurobike 2018 sicherlich zu den häufigsten Google Suchbegriffen im Lager der E-Bike Fans.
  • War der Hersteller TQ bisher nur wenigen bekannt und wurde fast ausnahmslos mit dem Hersteller „Spitzing“ in Verbindung gebracht, so hat sich das seit seiner Vorstellung im Rahmen der besagten Messe über Nacht geändert.
  • Aber es ist nicht der Motor für sich, der mit seinen 120 Nm schon seit 2012 Maßstäbe setzt, vielmehr ist es die gelungene Integration in das ganz neue Konzept „Flyon“, was den Reiz und die Faszination dieser neuen, frischen Kombination aus Design und Hightech ausmacht.
  • Die Eckdaten sind mittlerweile reichlich bekannt – jedoch werden Preis und Verfügbarkeit dafür sorgen, dass dieser Ausnahme Antrieb in Verbund mit dem Flyon nur Wenigen – und diesen auch nicht die ganze Saison – zur Verfügung stehen wird.

Während Bosch für die Saison 2019 zu Recht auf lang bewährte Technik setzen kann, wurde das Lager der Antriebe bei der Konkurrenz durchaus um die ein oder andere sinnvolle Variante ergänzt:

  • Yamaha PW-TE Serie / 60 Nm Drehmoment/ Einsatzgebiet City/Trekking
  • Shimano Steps E5000 / 40 Nm /Einsatzgebiet urbanes Umfeld
  • Shimano Steps E6100 / 60 Nm / Einsatzgebiet XC / MTB & Trail
  • Shimano Steps E7000 / 60 Nm / Einsatzgebiet City und Trekking
  • Panasonic GX0 Motor / 90 Nm/Einsatzgebiet MTB
  • Brose Drive S Mag / 90 Nm / Einsatzgebiet MTB
  • Brose Drive C / 50 Nm / Einsatzgebiet Urban / City
  • Specialized 2.1 „Drive S Mag“ (Brose)
Bosch Dual Rahmen / Intube Akku Lösung © Robert Bosch GmbHBosch Dual Rahmen / Intube Akku Lösung © Robert Bosch GmbH

Akkus

Wer für die Saison 2019 auf Akkukapazität deutlich jenseits der 500 Wh Grenze Wert legt, der

  • muss bei extremen Energiebedarf nach wie vor auf eine Dual Akku Lösung à la R+M / Bosch zurückgreifen (bzw. einen Ersatz mit sich führen)
  • wird bei Kalkhoff in Verbund mit dem Impulse Antrieb fündig (603/612/621 Wh)
  • kann bei Flyer in Verbund mit dem Panasonic Antrieb auf bis zu 750 Wh zugreifen
  • Die energiehungrigen Ausnahme-Bikes der Marke Stromer bringen es mittlerweile auf bis zu 983 Wh und Spitzing verspricht bei seinen Topmodellen bis zu 1.050 Wh Akkukapazität.

Während seit Jahren im Innern eines E-Bike Akkus zylindrische Zellen des Typs „18650“ (= 65 mm Länge/18 mm Durchmesser) zuverlässig ihren Dienst verrichten, kommt die neue Generation des Typs „21700“ (= 70 mm Länge/21 mm Durchmesser) mit höherer Energiedichte erstmals bei der 2019er Turbo Levo Generation der Firma Specialized bei dem neuen 700 Wh Intube Akku zum Einsatz.

Wenn Bosch auch (noch) keine Akkugeneration für 2019 angekündigt hat, ist dennoch davon auszugehen, dass die „21700“ Zelle Schritt für Schritt nach Specialized auch bei anderen Herstellern Standard wird – die „Frontrunnner Position“ wird Specialized sicher höchstens 2019 halten können.

Cobi Hub mit Smartphone © Robert Bosch GmbHCobi Hub mit Smartphone © Robert Bosch GmbH

Displays

Wird das Display bald überflüssig? Nein – wenn auch kaum mehr ein Hersteller an einer Bluetooth Verbindung zum Smartphone nebst entsprechender App vorbeikommt, so verzichten  doch nur wenige auf ein Display „ab Werk“. Denn:

  • Mit dem Kiox hat Bosch ein 1,9“ großes, sogenanntes „transmissives“ Display mit „Gorillaglas“ am Start.
  • Das neue 1,7“ „Display A“ von Yamaha ist teilweise nachrüstbar.
  • Das 2,8“ „Display C“ von Yamaha kann wenig benutzte Funktionen ausblenden und ist ausgezeichnet ablesbar.
  • Mit dem Steps E6100 stellte Shimano auch ein neues Mittendisplay mit neu entwickelten Nahbedienteilen vor.
  • Das bei Bosch angesiedelte Cobi System kann ab 2019 bei Riese & Müller bei einigen Modellen bereits ab Werk vorkonfiguriert werden.
E-Bike Entwicklung

Weitere Trends

  • Das S-Pedelec wird auch 2019 eher einen kleinen Nutzer-Kreis begeistern können.
  • Das eh schon starke Segment der Cargo Bikes bekommt Verstärkung durch Varianten à la Riese und Müller Multicharger.
  • Retro ist angesagt – siehe das Ruffian der Firma „Ruff Cycles“.
  • (Schicke) Tiefeinsteiger sind endlich salonfähig.
  • Der Akku verschwindet zusehends im Rahmen.
  • Eine neue EU Verordnung macht den Herstellern klare Vorgabe zum Thema „Prävention von Tuning Maßnahmen an E-Bikes“.
  • Trotz seiner unbestrittenen Vorteile wird der Carbonriemen noch lange nicht den Kettenantrieb ablösen.

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Über den Autor

Fährt gerne: Feld, Wald und Wiese

Bikes: Grace MX-S, KTM Macina Street, Cube AMS 100

Lieblings-Radrevier: Rheinhessisches Hügelland

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