Australien ist zweifellos eines der bizarrsten und atemberaubendsten Länder. Wer denkt bei dem Kontinent nicht sofort an schneeweiße Sandstrände, rote Steppenlandschaften, tropische Regenwälder, pulsierende Metropolen und spektakuläre Nationalparks? Oder an Tauchgänge im Great Barrier Reef, Schwimmen mit Delfinen, Surfkurse und Segeltörns, Wale beobachten und abenteuerliche Skydives?

Nicht zu vergessen die Aborigines, ihr Heiligtum „Uluru“, Kängurus, Koalas, gemütliche Barbecue-Abende, Weinproben im Hunter Valley oder in der Region um Margaret River, Wandern in den Blue Mountains, Road Trips entlang der Great Ocean Road, oder einfach nur ein Sonnenbad am legendären Bondi Beach? In „Oz“, wie die Australier ihr Land liebevoll nennen, scheint die Liste der Möglichkeiten schier grenzenlos zu sein.

12 Apostel, Great Ocean Road, bei Melbourne © Maximilian Semsch

12 Apostel, Great Ocean Road, bei Melbourne © Maximilian Semsch

Besucher aus aller Welt

Wen wundert es bei dem Facettenreichtum noch, dass Australien ein regelrechter Touristenmagnet ist? Laut Informationen der dlp software und reiseservice GmbH verzeichnete das Land im Jahr 2013 insgesamt 6,5 Mio. internationale Touristen, Tendenz steigend. Während sich die meisten Besucher für das klassische „Backpacking“ entscheiden, also nur mit einem Rucksack ausgestattet entweder per PKW, mit dem Zug, Bus, Flugzeug oder per Anhalter herumreisen, gibt es auch äußerst wagemutige Menschen, die „Down Under“ ausschließlich mit dem Fahrrad erkunden.

Auch auf dem E-Bike kommt man ins Schwitzen © Maximilian Semsch

Auch auf dem E-Bike kommt man ins Schwitzen © Maximilian Semsch

Aus einer Idee wird ein Abenteuer

Zu diesen Abenteurern zählt Maximilian Semsch, der es vollbracht hat, sage und schreibe 16.000 km mit dem E-Bike zurückzulegen und Australien dabei komplett zu umfahren. Was viele nicht wissen: Dieses Abenteuer war keineswegs geplant; vielmehr entstand es aus der Idee heraus, eine Testfahrt zu unternehmen, um einerseits die E-Bike-Technik auszuprobieren, andererseits um herauszufinden, ob das Fahren mit einem Pedelec noch etwas mit dem klassischen Fahrradfahren zu tun hat.

Um es mit den Worten des am 12. Juli 1983 in Bayern geborenen Maximilian Semsch zu beschreiben „herauszufinden […] ob es doch so ist, dass ein elektrisches Fahrrad praktisch die Vorstufe zum Rollator bedeutet, wie viele gerne behaupten.“

Dem Sonnenuntergang entgegen, Nullarbor-Ebene im Süden des Landes © Maximilian Semsch

Dem Sonnenuntergang entgegen, Nullarbor-Ebene im Süden des Landes © Maximilian Semsch

16.000 km mit dem E-Bike um Australien

Am 01.01.2012 startete Maximilian Semsch, der zuvor schon ein außergewöhnliches Reise-Film-Projekt (per Rad von München bis nach Singapur) verwirklicht hatte, sein Australien-Abenteuer vor dem Sydney Opera House. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Marion und Kameramann Frank, um die Erlebnisse erneut festzuhalten und später einen Film daraus zusammenzustellen. Ab diesem Tag sollte auch sein E-Bike, ein Haibike XDURO Trekking mit einem Bosch Mittelmotor und der stufenlosen Nabenschaltung N360 von NuVinci, sein ständiger Begleiter sein.

Zurück in Sydney © Maximilian Semsch

Zurück in Sydney © Maximilian Semsch

Nach insgesamt 187 Tagen und 16.047 km, positiven wie auch negativen Erfahrungen, war die Reise geschafft und ein Traum in Erfüllung gegangen. Entstanden sind mehr als 35.000 Fotos sowie über 400 Stunden an Videomaterial. Mittlerweile gibt es den Film unter dem Namen „What a Trip – Around Oz“ sowohl als DVD und Blu-ray. Einen tollen Vorgeschmack auf den Film bietet der folgende Trailer:

Wir von Fahrrad XXL haben Maximilian Semsch zu seiner abenteuerlichen Australien-Reise interviewt:

Herr Semsch, aus einer Idee ist das wohl größte Abenteuer Ihres Lebens entstanden. Woher rührt Ihre Leidenschaft zum Fahrrad fahren?

Ehrlich gesagt, bin ich früher nie Rad gefahren. Mit 21 Jahren bin ich zu meiner ersten Weltreise aufgebrochen. Ich hatte damals angefangen mit Bus und Bahn zu reisen, hatte aber sehr schnell das Gefühl an allem vorbeizurasen und nix zu sehen. Deshalb habe ich mir dann in Indien für 15 Euro ein Fahrrad (ohne Gangschaltung und gefühlt 30 kg schwer) gekauft und bin einfach losgefahren. Schon nach wenigen Tagen wusste ich, dass es die beste Art ist ein Land zu entdecken. Und dem Fahrrad bin ich bis heute treu geblieben.

Wie haben Sie sich auf die Extrem-Radreise vorbereitet?

Körperlich überhaupt nicht, denn ich wollte auch herausfinden, ob E-Bike fahren noch etwas mit Fahrradfahren zu tun hat. Deshalb habe ich mich vor und nach der Reise Belastungstests unterzogen, um herauszufinden, wie sich mein Fitnesszustand innerhalb der 6 Monate verändert hat. Nach der Reise und 16.000 km war ich wesentlich ausdauernder und hatte Muskulatur aufgebaut, was zeigt, dass man trotz Motor immer noch auf einem Fahrrad sitzt. Denn ohne Einsatz bewegt man sich auch nicht fort.

Warum „Oz“? Was macht Australien so besonders?

Es war schon immer ein Traum von mir, einmal den fünften Kontinent zu bereisen. Ich denke, Australien ist anders als der Rest der Welt. Durch die Abgeschiedenheit konnte sich in den letzten paar Millionen Jahren eine ganz eigene Tier- und Pflanzenwelt entwickeln. Knapp 80% der Flora und Fauna findet man auf keinem anderen Kontinent. Und auch landschaftlich hat Australien einiges zu bieten. Nicht zuletzt sind die Australier selbst unglaublich freundlich und, nicht ganz unwichtig für mich, es ist meistens warm bis heiß und nur selten kalt.

Was war Ihr eindrucksvollstes Oz-Erlebnis?

Da gab es natürlich ziemlich viele in den sieben Monaten. Schnorcheln mit Delfinen, Sonnenuntergänge im Outback oder die Great Ocean Road. Persönlich am eindrucksvollsten war sicherlich unsere Hochzeit, denn wir haben gegen Ende der Reise barfuß am Strand geheiratet, mit anschließendem Honeymoon auf einer kleinen Insel mitten im Great Barrier Reef.

Welches Abenteuer steht als nächstes an?

An Ideen mangelt es mir natürlich nicht, aber am Ende ist es auch immer eine Frage des Budgets, was sich überhaupt in die Realität umsetzen lässt. Ich beginne gerade mit der Planung, um dann 2016 wieder unterwegs sein zu können. Wo es dann hingeht, werde ich demnächst bekannt geben.

Vielen herzlichen Dank für das Interview und auf viele weitere spannende Abenteuer!

Jetzt schon vormerken:

  • Am Donnerstag, den 11.12.2014 gibt es Maximilian Semsch bei einem Vortrag über seine München-Singapur Reise bei Fahrrad XXL in Hamburg zu sehen! Der Beginn ist um 19:00 Uhr, der Eintritt ist frei.
  • Außerdem gibt es auf der Homepage von Maximilian Semsch im August eine Sommeraktion mit 20% auf DVDs und Blu-rays!

Zum Abschluss unseres Artikels präsentieren wir dir noch einige Impressionen rund um Maximilian Semschs Australien-Radreise.

 

Gegenwind im Outback © Maximilian Semsch

Gegenwind im Outback © Maximilian Semsch

Kein Schatten und 44 Grad © Maximilian Semsch

Kein Schatten und 44 Grad © Maximilian Semsch

Platten im Outback © Maximilian Semsch

Platten im Outback © Maximilian Semsch

 

 

 

 

 

 

 

 

Buschfeuer sind fester Bestandteil Australiens © Maximilian Semsch

Buschfeuer sind fester Bestandteil Australiens © Maximilian Semsch

Frühstück unterm Moskitohut wegen Buschfliegen © Maximilian Semsch

Frühstück unterm Moskitohut wegen Buschfliegen © Maximilian Semsch

Känguru springt vor die untergehende Sonne © Maximilian Semsch

Känguru springt vor die untergehende Sonne © Maximilian Semsch

Einmal rund um Australien: „What a trip – Around Oz“
Lass die Sterne spechen