Sep 07

Carbon Reparatur » Fahrrad mit Carbonrahmen reparieren

Es ist der Alptraum eines jeden Carbonrad-Besitzers: Man stürzt, das geliebte Bike wirbelt durch die Luft, schlägt unsanft auf und bricht. Ein klarer Fall für den Wertstoffhof, oder nicht? Tatsächlich muss man die Flinte nicht direkt ins Korn werfen. Mehrere Hersteller bieten mittlerweile Reparaturen für Carbonräder und -teile an. Wie das funktioniert, bei welchen Schäden es in Frage kommt und was du dir danach von deinem Rad noch erwarten kannst, erfährst du in diesem Ratgeber.

Fahrrad mit Carbonrahmen reparieren

Die gute Nachricht zuerst: Ein beschädigter Carbonrahmen muss nicht teurer Sondermüll sein. Wer sein Rad in professionelle Hände gibt, hat zumindest die Chance, einen sicheren Untersatz zurückzubekommen. Je nach Schadensbild sinkt oder steigt die Wahrscheinlichkeit dafür natürlich deutlich. Das liegt am Aufbau eines Carbonrahmen. Dieser besteht nämlich aus einem Faserverbund, der aus mehr oder minder langen Kohlefasern besteht. Diese Kohlefasern werden mittels eines Harzes miteinander verklebt. Durch die belastungsgerechte Ausrichtung der Fasern und das Vakuumieren in speziellen Autoklaven erhält der Rahmen bzw. das Bauteil seine sehr guten Stabilitätswerte. Diese Stabilität kann allerdings nicht mehr gewährleistet werden, wenn die Fasern gebrochen oder beschädigt sind. Doch wie erkennt man so einen Schaden?

Welche Schäden können am Carbonrahmen entstehen?

Um einen Schaden zu erkennen, sollte man sich die möglichen Schadensbilder einmal ansehen. Während es bei Aluminiumrahmen nämlich recht leicht ist, eine Beschädigung zu erkennen, kann es bei Carbon kompliziert sein.

Der einfachste Fall ist natürlich ein komplett gebrochener Rahmen. Hat man seinen Rahmen in zwei Teile zerlegt, wird es schwierig mit dem Weiterfahren. Doch Carbon ist weitaus tückischer. Durch die hohe Qualität und Stabilität brechen Rahmen nur noch selten komplett auseinander. Stattdessen finden sich meistens kleine Risse. Diese können unbedenkliche Risse des Klarlacks sein oder auf Risse im Laminat hinweisen. Für den Laien (und selbst für den Profi) ist das mit dem bloßen Auge schwer bis nicht zu entscheiden. Noch komplizierter wird es, wenn sich Risse in tiefen Carbonschichten ergeben. Diese sind von außen nämlich absolut unsichtbar. Dasselbe kann für die sogenannte Delamination gelten. Hierbei lösen sich die einzelnen Schichten des Fasergeflechts voneinander ab, wodurch ebenfalls gefährliche Schwachstellen entstehen.

Nur sehr kostspielige Analyseverfahren (Termografie, Computertomografie, Radioskopie, spezielle Belastungsprüfstände) können solche Beschädigungen mit Sicherheit aufzeigen. Einfachere Verfahren, z.B. Klopftests oder Drucktest, können zwar ebenfalls Hinweise liefern, sind aber für die hundertprozentige Absicherung eher ungeeignet. Zwar klingt ein delaminierter Abschnitt etwas anders, aber dafür benötigt man auf alle Fälle einige Erfahrung. Nach einem heftigen Crash sollte man seinen Carbonrahmen also auf alle Fälle in erfahrene und fähige Hände geben.

Gebrochener CarbonrahmenGebrochener Carbonrahmen

Carbonrahmen gebrochen – gibt es Möglichkeiten zur Reparatur?

Trotz allem Hightech und der Erfahrung vieler Profis sollte man sich bewusst machen, dass bei der Reparatur eines Carbonrahmens niemals der Ursprungszustand erreicht werden kann. Bei Stürzen werden schließlich die Fasern voneinander getrennt und das lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Gerade sehr stark belastete Teile wie Gabeln oder Lenker können hier besonders problematisch sein und sollten aus Sicherheitsgründen nicht repariert werden. Hat man während der Fahrt auf einmal ein Stück Lenker in der Hand, geht das meistens nicht gut aus. Durch die Verwendung von relativ viel Carbonmaterial ist eine sichere Reparatur, je nach Schaden, aber manchmal möglich. Hier kann allerdings nur ein Profi im Einzelfall eine Aussage treffen, was möglich ist und was nicht. Lässt man seinen Rahmen reparieren, muss der Reparateur ein Jahr gesetzliche Gewährleistung bieten. Die Garantie des Herstellers kann allerdings je nach Firmenpolitik verfallen. Das Problem ist nämlich, dass die Schwachstelle, die durch eine Reparatur entsteht, den Rahmen nicht nur lokal, sondern im Gesamten schwächt. Das liegt an den geänderten Kraftverläufen, wodurch Belastungsspitzen an Stellen auftreten können, wo sie problematisch sind.

Carbon ReparaturCarbon Reparatur

Schäden am Carbonrahmen selbst reparieren – ist das möglich?

Da in diesem Ratgeber schon ein paar Mal die Rede von Profis und fähigen Händen war, kann man es schon ahnen: Ein beschädigter Carbonrahmen sollte auf keinen Fall in der heimischen Werkstatt repariert werden. Abenteuerliche Konstruktionen aus Rohrschellen und Plastik-, oder Metallrohren sind nämlich ein gesundheits-, und lebensbedrohendes Sicherheitsrisiko und dennoch immer mal wieder die Reparaturmethode unter Hobbyschraubern. Da der Umgang mit Carbonmatten und Harz geübt sein will, kommt es für den Laien außerdem nicht in Frage, selbst am Rahmen herum zu laminieren. Die Gefahr, dass einem das Fahrrad buchstäblich unter dem Hintern wegbricht, ist einfach zu hoch. Der einzig sinnvolle Fall ist folgender: Wurde zu 100% festgestellt, dass nur ein Lackschaden vorliegt, kann dieser ausgebessert werden. Hier sollte natürlich darauf geachtet werden, keine Flüssigkeiten (z.B. sehr aggressive Reiniger) zu verwenden, die das Laminat bzw. das Harz angreifen könnten.

Crash-Replacement-Programme

Wer nicht mit Haut und Haaren an seinem Carbonrahmen hängt, könnte daher mit einer anderen Lösung glücklicher werden. Viele Hersteller bieten sogenannte Crash-Replacement-Programme an. Dabei erhält man nach einem (selbstverursachten) Schaden einen neuen Rahmen zu einem deutlich reduzierten Preis. Die Vorteile liegen natürlich auf der Hand: Man bekommt frische Garantie, hat einen einwandfreien Rahmen und muss sich somit keine Sorgen über unerkannte Beschädigungen machen. Da eine Reparatur in Handarbeit und ganz individuell erfolgt, kann es sich auch finanziell lohnen. Natürlich sind die Kosten einer Reparatur abhängig vom Schaden, doch günstig wird es in den meisten Fällen nicht. Je nach Preisnachlass kann ein Crash-Replacement daher sogar kostengünstiger sein. Vor allem wenn man bedenkt, dass eine Reparatur niemals hundertprozentige Sicherheit bieten kann.

Sehen wir es einmal positiv: Nach einem Tausch ist man nicht nur wieder sicher auf der Straße unterwegs, sondern der beschädigte Rahmen findet vielleicht noch sein Dasein als individuelles Dekostück in der Wohnung.

Fahrrad als DekoobjektFahrrad als Dekoobjekt

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Über den Autor

Fährt gerne: XCO, XCM, Road, Cyclocross

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Lieblings-Radrevier: Bergstraße & Odenwald

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