Jan 29

E-Bike Rennen – die neuen Jedermannrennen?

Jeder Sport hat seine eigenen Wettkampfformate – sei es Fußball, Hochsprung oder Handtaschenweitwurf (ja, auch hier gibt es eine Weltmeisterschaft!). Wenn Leute einen Sport ausüben, dann wollen sie sich mit anderen messen. Dass für 2019 einige E-Bike Rennformate kommen werden, macht aus dieser Perspektive also absolut Sinn. Doch kann man diese Wettkämpfe überhaupt mit traditionellen Veranstaltungen im Fahrradbereich vergleichen? Immerhin geht einer der Kernkomponenten, die physische Ausdauerleistung, zumindest in Teilen verloren. Warum ein E-Bike Rennen vielleicht trotzdem genau dein Ding sein könnte, welche Gründe dagegensprechen und welche Formate es überhaupt geben wird, kannst du in diesem Blog nachlesen. PS: Der Weltrekord im Handtaschenweitwurf wird vom dänischen Athleten Stefan Koopmann gehalten: Er schleuderte die genormte Tasche satte 46,20 Meter weit. 

Wer darf bei E-Bike Rennen teilnehmen?

Bei den derzeit gängigen Formaten wie der Bosch eMTB Challenge (siehe unten) dürfen grundsätzliche alle interessierten Fahrer teilnehmen. Hier wird keine Lizenz oder ähnliches benötigt. Stattdessen brauchen die Teilnehmer einfach nur eine gehörige Portion Lust auf Biken. Bei den meisten Rennen werden die Teilnehmer dennoch in verschiedene Klassen wie Elite, Amateur oder Jedermann eingeteilt, um eine bessere Vergleichbarkeit zwischen den Fahrern zu gewährleisten. 

Während also quasi jeder an E-Bike Rennen teilnehmen kann, sieht es bei den Fahrrädern ganz anders aus. Meistens dürfen nur handelsübliche Pedelecs teilnehmen, die lediglich eine Unterstützung bis zur magischen 25 km/h Grenze bieten. Da die E-Bike Rennszene noch in den Kinderschuhen steckt, kocht jedes Event bei den Details noch ein eigenes Süppchen. Als Trend lässt sich allerdings feststellen, dass die Motoren auf 250 Watt beschränkt sein sollten und der Akku nicht mehr als ca. 600 Wh groß sein darf. Bosch TwinTube und ähnliche Lösungen fallen somit also weg, damit man den Kurs nicht durchgängig im Turbo-Modus durchbolzen kann. Bei der anstehenden E-Bike WM wird es dafür sogar einen Bike-Check vor Rennstart geben.

Pro und Contra von E-Bike Rennen

Pro

  • Auch weniger gut trainierte Sportler können mit dem E-Bike einmal Wettkampf-Luft schnuppern
  • Auf die Besonderheiten des E-Bikes zugeschnittene Formate könnten beweisen, dass auch E-Biken ein echter Sport und nicht nur etwas für „faule Leute“ ist, die sich vor den Anstrengungen eines Uphills drücken wollen
  • Wie schon bei klassischen Mountainbike-Formaten könnten auch die E-Bike Rennformate Spitzenleistung hervorbringen und die Grenzen des Machbaren auf einem E-Bike verschieben
  • Der Rennsport könnte technische Entwicklungen mit sich bringen, die früher oder später den Weg zu handelsüblichen Rädern finden werden und diese deutlich verbessern
  • Spannende Rennformate könnten die Akzeptanz der E-Bikes unter den nicht-motorisierten Fahrrädern steigern und somit für ein harmonischeres Miteinander in der Community sorgen
  • E-Bike Rennen könnten mehr Leute inspirieren, selbst mit dem Sport zu beginnen
  • Taktische Elemente, die man sonst eher aus dem Motorsport kennt (z.B. Akku-Management), könnten für spannende Momente sorgen

Contra

  • Die sportliche Leistung zu messen und zu vergleichen ist beim E-Bike kompliziert
  • Nur sehr wenige E-Biker interessieren sich überhaupt für Rennformate. Sie wollen primär nämlich Spaß auf ihrem E-Bike haben und suchen nicht den Vergleich
  • Werden nur die Rennformate der klassischen Bikes übernommen, könnte das E-Bike Rennen immer der kleinere, unbeliebtere Bruder bleiben
  • E-Bikes sind im Vergleich zum Tempo im Spitzensport zu langsam. Hier werden häufig über 25 km/h erreicht, weshalb ein E-Bike die Profis eher bremst als beschleunigt
  • Wie schon beim Surfen, Skaten oder Snowboarden könnten Wettkampfformate der Spaßorientierung der E-Bikes schaden
  • E-Bike Rennformate könnten große Probleme mit Motor-Tuning haben. Die flächendeckende Kontrolle ist schwierig und kostspielig
  • Viele Sportler fahren E-Bike, da sie nicht genügend Zeit haben, um zu trainieren. Es ist daher fraglich, ob ein Rennformat für untrainierte Sportler Sinn macht
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Welche E-Bike Rennen gibt es? 

Mittlerweile gibt es eine ganze Schar an E-Bike Rennen. Bereits 2014 führte die Enduro One als erste deutsche Rennserie eine E-Bike Wertung ein. In Ländern wie Frankreich ist die Szene schon deutlich weiter und veranstaltet eine riesige Menge an Rennen, die sich großer Beliebtheit freuen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Zulauf hingegen noch verhalten. Trotzdem gibt es für 2019 einige neue Formate und natürlich auch altbewährte. Auf die folgenden Rennen kannst du dich dieses Jahr auf alle Fälle schon einmal freuen.

Kenda Enduro One

Im Rahmen der beliebten Kenda Enduro One Serie wird mittlerweile auch eine E-Bike Wertung angeboten. Die dazugehörigen Rennen finden an denselben Wochenenden wie die übrigen Rennen statt. Ganze 6 Events warten hier also auf wettkampfhungrige E-Biker, wobei fünf davon in Deutschland stattfinden und eines im österreichischen Kirchberg in Tirol. Die restlichen Stationen sind Winterberg, Bad Endbach, Roßbach, Frammersbach und Aschau. Wer bei allen Rennen teilnehmen möchte, hat die Möglichkeit sich als Serienstarter zu registrieren. Dadurch spart man nicht nur eine ganze Menge Startgeld, man bekommt zudem seinen Startplatz auf jedem Event garantiert, kann eines der Ergebnisse streichen lassen (für die Gesamtwertung zählen 5 aus 6 Events) und fährt um hohe Preisgelder. Außerdem kann man in jeder Wertungsklasse mitfahren.  

E-Biker sollten beachten, dass für ihr Rad spezielle technische Voraussetzungen gelten. Neben dem allgemein tadellosen Zustand dürfen die Motoren eine Nenndauerleistung von 250 Watt nicht überschreiten. Außerdem muss der Motor fest eingebaut sein, darf nur bis 25 km/h beschleunigen und nur als Tretunterstützung fungieren. Die notwendige Energie dürfen nur Serienakkus liefern, die frei von jeglichen Tuningmaßnahmen sind. Über den Wettkampftag hinweg darf der Akku nicht getauscht oder geladen werden. Man muss die Strecke also mit einer Akkuladung bewältigen, wodurch die spannende Komponente des klugen Akku-Managements zum Rennen hinzukommt.

Bildnachweis: © Nico Gilles Fotografie

Deutsche Meisterschaft im E-Bike Fahren

Baboons, der Veranstaler der Kenda Enduro One, ruft für 2019 erneut die Deutsche E-Bike Meisterschaft (DEBM) aus. Mit Monster Energy Hydro wurde außerdem ein dicker Sponsor für das neue Event gefunden. Die DM scheint also vielversprechend. Noch ist nicht bekannt, an welchem Austragungsort die DEBM kommendes Jahr stattfinden wird. Aber wie schon 2018 wird sie im Rahmen der Kenda Enduro One stattfinden. Auch die Regeln hinsichtlich der technischen Voraussetzungen der Bikes sind dieselben wie beim Mutterevent. An diese sollte man sich im Übrigen streng halten: Bei der ersten EM wurden direkt zwei Fahrer disqualifiziert, deren Motoren über die 25 km/h hinaus Unterstützung lieferten. Auch zum Zuschauen lohnt es sich übrigens. Die kommende DEBM wird nämlich mit Sicherheit extrem spannend, da es sich der drittplatzierte Marathon-Profi Jochen Käß bestimmt nicht nehmen lassen wird, den amtierenden Deutschen E-Bike Meister und Enduro-Racer André Kleindienst ordentlich unter Druck zu setzen.

Bosch eMTB Challenge

Wie unschwer am Namen zu erkennen, ist Bosch der Hauptsponsor der Bosch eMTB Challenge, die Jedermann-Rennen im Rahmen einiger großer Bike-Events anbietet. Hier geht es nicht so sehr um den kompetitiven Faktor, sondern viel mehr um den Spaß und die Möglichkeit, neuste Technik ausgiebig zu testen. Durch die gleichzeitig stattfindenden Festivals sind nämlich allerhand große Hersteller vor Ort, die mit Leihbikes aufwarten.  

Austragungsorte für 2019 werden die Bike-Festivals in Riva und Willingen sein, die Bikedays im Schweizer Solothurn und das Salzkammergut im Rahmen der Salzkammergut Trophy.  Es warten also nicht nur jeweils ein toller Renntag, sondern auch spannende Messetage auf dich.  

Interessant für vollkommene Neulinge im Rennzirkus: die Bosch eMTB Challenge bietet für 2019 die neue Wertungsklasse „Explorer“. Dabei kann die Challenge ohne Zeitwertung angegangen werden. Stattdessen warten einige zusätzliche Orientierungspunkte, die abseits der Stages gefunden werden müssen. Familien, Partner oder Gruppen können somit ganz entspannt gemeinsam an der eMTB Challenge teilnehmen. Für ambitioniertere Teilnehmer teilt sich das Rennen in drei verschiedene Sektoren auf. Es gibt Downhill-Stages, bei denen es über Stock und Stein geht, wobei jeweils schwerere und leichtere Linien vorhanden sind. Jeder Fahrer findet daher das passende Schwierigkeitslevel. In den Uphill-Stages müssen schwierige Passagen bergauf gemeistert werden. Zudem gibt es eine „No-Feet“-Zone, bei der es Abzüge gibt, wenn man die Füße auf dem Boden abstellt. Außerdem warten noch Transfer-Stages, die zwar ohne Zeitmessung erfolgen, aber einiges an Orientierungsfähigkeit verlangen. Hier müssen ganz spezielle Punkte gefunden werden. Bei der Bosch eMTB Challenge sind also viele verschiedene Fähigkeiten gefragt, weshalb jeder eine Chance auf die vorderen Ränge hat.  

Das technische Reglement ist zudem recht simpel: Es sind nur Pedelecs erlaubt, die bis 25 km/h unterstützen. Bikes, die on-the-fly zum S-Pedelec gemacht werden können, sind ausgeschlossen. Ein Akku-Tausch ist während des Rennens erlaubt.

Bildnachweis: © Bosch

E-Bike WM Silian

Im schönen Osttirol wird die offene E-Bike WM durchgeführt. In zwei Klassen (Elite und Jedermann) wird hier um den Weltmeisterschafts-Titel gekämpft. Die Elite-Klasse stellt sich dabei ganz klassisch der Zeitmessung auf einer Rennstrecke. Für die ersten drei Plätze gibt es eine der begehrten Medaillen. Beim Jedermann-Rennen erhält hingegen jeder eine Medaille, der die im Vorhinein definierten Zeitlimits unterschreitet. Aber damit nicht genug: In Silian wartet außerdem eine kleine Messe. Neue Technik kann also direkt vor Ort ausprobiert werden.  

In Sachen Reglement hält es die E-Bike WM ähnlich wie die DEBM: Bikes dürfen maximal 250 Watt Dauernennleistung aufweisen und bis 25 km/h während des Tretens unterstützen. Zudem ist ein Akku mit einer maximalen Kapazität von 650 Wh erlaubt, der nicht getauscht oder geladen werden darf. Das Akkumanagement ist daher also entscheidend für den WM-Titel.

UEC Formula E-Bike

Allzu viel ist zwar noch nicht darüber bekannt, was die Union Européene de Cyclisme (oder auch European Cycling Union) da genau plant, aber für 2019 soll wohl ein erstes Event für elektrische Fahrräder stattfinden. Formula E-Bike soll das Ganze heißen und sowohl Formate für E-MTBs wie auch für E-Rennräder beinhalten. Allerdings ist man sich über die Regularien im Moment noch nicht ganz im Klaren. Der Vorstand ließ aber verkünden, dass man sich im Gespräch mit Ingenieuren und Herstellern befinde, um sinnvolle Kriterien auszumachen. Gerade auch das Thema Tuning und technische Doping dürfte hier eine große Rolle spielen. Für ein offizielles Format muss dieses natürlich besonders effektiv bekämpft werden. Wo das ganze stattfinden soll, wer daran teilnehmen kann und wie die Ergebnisse gemessen werden sollen, steht noch in den Sternen. Es bleibt also abzuwarten, was die UEC 2019 aus dem Hut zaubert.

Fazit

Das Thema E-Bike ist ein sehr emotionales und polarisierendes Thema – auf kurze Sicht wird sich das wohl auch kaum ändern. Dementsprechend kritisch werden auch einige der Rennformate aufgenommen. Das sei doch alles kein Sport und geradezu lächerlich, heißt es von vielen Mountainbikern. Natürlich stecken E-Bike Rennen noch in den Kinderschuhen und viele Formate sind kaum spannender als das Mittagsprogramm der ARD.  

Denkt man aber einmal zwanzig Jahre im Downhill-Sport zurück, dann hatte dieses Format ähnliche Probleme: In Lycra und Plastik gehüllte Männer haben sich damals auf sehr zweifelhaft konstruierten Bikes mehr oder minder inspirierte Strecken runtergeschmissen – Betonung auf „geschmissen“. Interessiert hat das wenige. Diese Anfänge haben nun sehr wenig damit zu tun, wo der Downhill-Sport heute steht. Vielleicht braucht der E-Bike Sport also einfach noch ein wenig Zeit, um sich selbst wie auch die Community zu entwickeln. Einige Formate schießen gerade mit Sicherheit am Ziel vorbei und versuchen einfach das Konzept eines klassischen Mountainbike-Rennens auf das E-Bike zu pfropfen. Dabei müssten die Veranstalter viel stärker auf die Besonderheiten des E-Bikes eingehen und Stages abstecken, die ohne Motor nicht zu bewältigen sind. Die Bosch eBike Challenge macht es vor. Das gäbe E-Bike Rennen die Möglichkeit, sich als ernstzunehmende sportliche Wettkämpfe zu etablieren.  

Aber auch bis dahin erfüllen die Rennen einen Zweck: Sie machen einfach Spaß. Egal wie sinnvoll oder nicht sinnvoll ein Rennen ist, sich im Kampf gegen die Uhr zu beweisen ist adrenalingeladener Spaß. Ohne ein überprofessionalisiertes und überreguliertes Umfeld können hier Hobby-Piloten also einfach richtig viel Freude haben. Da die Rennen meistens an Messen und andere Events gekoppelt sind, kann man zudem noch die neusten News aus der Bikewelt mitnehmen. Das klingt in unseren Ohren nach tollen Wochenenden, die man gemeinsam mit den Bike-Freunden oder der Familie verbringen kann – außerdem schmeckt das Bierchen nach einem erfolgreich bestrittenen Rennen am Abend doppelt so gut.

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