Mai 28

Verschleiß am Fahrrad

Da steht es nun. Vom Munde abgespart glänzt es im Sonnenlicht und wartet nur darauf, endlich gefahren zu werden. Die Rede ist natürlich vom nigelnagelneuen Drahtesel. Doch eine Saison später sieht das einst so schicke Gefährt plötzlich gar nicht mehr so schick aus. Die Kette rattert, die Zähne der Kettenblätter sehen abgeschliffen aus und die Kassette setzt schon Rost an. Zeit, das liebe Rad mal ordentlich zu warten! Aber wo reicht ein bisschen Öl und wo muss tatsächlich was ausgetauscht werden? Wir wollen dir an dieser Stelle eine Übersicht über alle Verschleißteile am Rad geben, wie du deren Verschleiß erkennst und wann man ein Teil am besten austauscht. 

Was kann alles am Rad verschleißen?

Vielen Teilen am Rad sieht man den Verschleiß schnell an. Bei einigen wenigen allerdings erst, wenn es zu spät ist. Daher kommt hier eine übersichtliche Liste aller Dinge, die man auf dem Schirm haben sollte: 

Reifenverschleiß beim Fahrrad

Bei Mountainbike- oder Crossreifen ist das relativ einfach. Wenn die Stollen abgefahren sind, ist es spätestens Zeit für einen neuen Reifen. Spätestens deshalb, weil vermutlich schon vorher ein deutlicher Grip-Verlust spürbar sein wird.

Bei Rennradreifen ist es etwas kniffliger. Es gibt aber ein paar einfache Indikatoren. Wenn die Lauffläche, also die Mitte des Reifens, deutlich geglättet ist, die Flanke spröde wird oder gar schon das Material, welches unter dem Gummi liegt, sichtbar wird, sollte man sich über einen neuen Reifen Gedanken machen.

Bei Continental finden sich zwei kleine Löcher im Reifen, die als Verschleißanzeige dienen. Sind diese Löcher nicht mehr sichtbar, sollte der Reifen getauscht werden. 

Abgenutze Bremsen

Einer der wichtigsten Sicherheitsaspekte beim Radfahren sind griffige Bremsen, daher sollte man hier besondere Vorsicht walten lassen. Bei der Felgenbremse sollte man den Bremsbelag im Blick haben. Hier gilt: Im Zweifel lieber etwas zu früh wechseln, denn ein stark abgefahrener Bremsbelag kann die Felge schädigen.

Bei Scheibenbremsen kann man den Belag nicht auf den ersten Blick erkennen, wohl aber bemerkt man eine Abnahme der Bremsleistung. Muss man immer kräftiger ziehen, um die gleiche Bremswirkung zu erzielen, sollte man über einen Wechsel nachdenken. Als Maß kann man hier grob eine Restdicke von 0,5 mm ansetzen. Vorsicht: Neue Beläge müssen sich einbremsen und haben anfangs eine weniger gute Bremsleistung. Gesinterte Bremsbeläge sind übrigens langlebiger als organische.

Auch die Scheibe der Scheibenbremse muss gewechselt werden (erfahre hier, wie du Bremsscheiben richtig montierst), allerdings weniger häufig. Die Mindestdicke ist meist auf den Scheiben vermerkt und kann mit einer Messlehre leicht überprüft werden.

Bei hydraulischen Bremsen kommt hinzu, dass die Bremsleitung je nach Füllung entlüftet oder nachgefüllt werden muss, damit die Bremsleistung nicht abnimmt.

Verschleiß der Fahrradfelgen

Vor allem Radfahrer mit Felgenbremse sollten auch ein Auge auf die Felge werfen. Die braucht zwar in der Regel sehr lange, bis sie ausgetauscht werden muss, aber auch sie gehört streng genommen zu den Verschleißteilen am Rad.

Im ersten Schritt legt man ein Lineal oder Winkel an die Flanke und überprüft, ob die Felge bereits rund eingeschliffen ist. Ist das der Fall, sollte der Reifen und der Schlauch heruntergenommen und die Felgendicke gemessen werden. Da sich hier die Felgenwulst in den Weg stellt, muss man sich etwas behelfen: Man kann kleine Kugeln auf die Spitze der Messlehre legen und damit die tiefer liegende Felgenwand prüfen. Natürlich muss man dann den Durchmesser der beiden Kugeln wieder abziehen. Jeder Hersteller gibt eine Mindestwanddicke für die Felge an, die nicht unterschritten werden sollte.  

Kette, Kassette und Kettenblätter: Verschleiß rund um die Schaltung

Bei dieser Dreifaltigkeit sollte man vor allem die Kette im Blick haben. Ist sie verschlissen, kann sie Kassette und Kettenblätter in Mitleidenschaft ziehen.

Um den Verschleiß einer Kette zu messen, hilft eine sogenannte Kettenmesslehre. Sie wird einfach auf die Kette aufgelegt und wenn sie komplett in der Kette versinkt, ist die Kette bereit, ausgetauscht zu werden. Kettenblätter und Kassette sollten dann gewechselt werden, wenn sie stark abgeschliffen oder spitz sind. Sie erinnern in diesem Zustand oft an Haifischzähne. 

Welche Faktoren wirken auf Verschleiß ein?

Es sind vor allem die Umwelteinflüsse, die einen nicht geringen Beitrag zum Verschleiß der Teile am Fahrrad leisten. Gerade die Antriebskomponenten, also Kette, Kettenblätter und Kassette werden durch Dreck, Salz und Feuchtigkeit stark beansprucht.  

Aber natürlich auch die Nutzung des Rads selbst. Das ist auch der primäre Grund, warum wir an dieser Stelle nur schwer konkrete Kilometer-Empfehlungen geben können. Die Teile an einem „Allwetterrad“ verschleißen auf Grund der Witterung schneller, als ein Wettkampfrad, das nur bei gutem Wetter gefahren wird.  Man sollte zum Beispiel keinesfalls unterschätzen, dass ein Radpendler, auch wenn er nur kurze Strecken fährt, dem Rad viel abverlangt. Zumal vermutlich die wenigsten das Rad nach jeder Fahrt reinigen.  

Welche Teile sollte ich regelmäßig tauschen?

Wie du an dem Beispiel mit der Kette gut siehst, kann man die allgemeine Haltbarkeit einiger Teile durch regelmäßige Wartung anderer Teile deutlich erhöhen. Im Falle der Kette sollte man daher ein genaues Auge auf den Verschleiß werfen. Rechtzeitige Wechsel verbessern die Lebensdauer von Kassette und Kettenblättern enorm.  

Auch das Wechseln der Bremsbeläge gehört hier dazu. Denn sind sie zu weit abgefahren, leidet nicht nur die Bremswirkung an sich, die Bremsscheibe und die Felge des Laufrads nutzen sich ebenfalls stärker ab.  

Reifen, Züge und Griffe sollten eher nach Bedarf gewechselt werden. Wer auf Nummer Sicher gehen will, gönnt seinem Drahtesel einmal im Jahr neue Züge. Die sind relativ günstig und auch für Laien mit einer entsprechenden Anleitung leicht zu verlegen.  

Letztlich stellt sich hier aber auch eine Kosten-Nutzen-Frage. Wenn ich ein relativ günstiges Rad im Keller habe, das mal auf Vordermann gebracht gehört, kann es schon fast Sinn machen, sich einfach ein neues zu kaufen, bevor man in die vielen Kleinteile unnötig viel investiert – es sei denn, man hat Spaß am Schrauben. Bei teuren Rädern mit hochwertigen Komponenten macht es aber natürlich Sinn, regelmäßig nach dem Rechten zu schauen und Verschleißteile zu wechseln. 

Wie kann ich den Verschleiß reduzieren?

Da hilft nur eins: Putzlappen in die Hand und losgewienert. Ist das Rad im Winter mit viel Salz in Berührung gekommen oder war es richtig staubig, dann sollte man dafür sorgen, Schmutz und anderen Unrat schnellstmöglich von den Komponenten zu entfernen. Der feine Staub frisst sich gerne mal in die Kettenglieder und Salz, kombiniert mit Feuchtigkeit, hinterlässt auf der Kette relativ schnell einen rostbraunen Schimmer. 

Nach der Reinigung der Kette das Nachfetten nicht vergessen – damit flutscht es wieder richtig. Lässt man das gute Rad allerdings nur herumstehen und „versiffen“, dann können gerade die beweglichen Teile schnell ihren Geist aufgeben. Und mal ehrlich: Einmal richtig geputzt, sieht das geliebte Gefährt doch meistens wieder so aus wie damals, als es ganz frisch in den Augen funkelte. 

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Über den Autor

Fährt gerne: Road

Bikes: Focus Izalco Chrono Max 3.0, Giant TCR Advanced, Giant TCR Composite

Lieblings-Radrevier: Allgäu, Schwarzwald, Wetterau, Vogelsberg

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