Aug 30

Immer auf die Stärkeren: E-Bike Shitstorm im Netz

E-Bike-Fahren boomt, scheinbar unaufhaltsam. Gleichermaßen scheint auch der Shitstorm gegenüber dem Elektrofahrrad zu boomen – zumindest, wenn wir uns die (teilweise respektlosen) Kommentare unter unseren Posts in den sozialen Netzwerken anschauen. Doch ist die negative Kritik an E-Bike und zugehörigem Fahrer gerechtfertigt? Sind E-Biker einfach nur zu faul, sich mit einem “normalen” Fahrrad fortzubewegen? Ich war mit meinem Mountainbike in den Bergen unterwegs, habe viele E-Bike-Fahrer angetroffen – und meine ganz eigene E-Bike-Erfahrung gemacht.

Mit Motor und Maillot Jaune

Vergangenes Wochenende strampelte ich einen steilen, kurvigen Pass in den Allgäuer Alpen hinauf, schwitzte, hechelte wie wild und hatte schmerzend müde Oberschenkel – und urplötzlich zog ein dickbauchiger Ruheständler, natürlich im gelben Trikot wie es der Führende der Tour de France trägt, lässig mit seinem E-MTB an mir vorbei, und war schon bald hinter der nächsten Kurve verschwunden. Ich war wütend auf diesen untrainierten E-Biker, der mich scheinbar mühelos überholte und mich stehen ließ, als ob ich zum ersten Mal einen Berg hochfahre.

Meine Wut ließ erst nach, als ich oben angekommen war und mich auf die Terrasse der ansässigen Alm niederließ. Ich entspannte bei einem erfrischenden Radler und dachte über den immer stärker werdenden E-Bike-Boom nach. Vielleicht liegt es auch einfach am Blickwinkel, der die emotionalen Wellen von „normalen“ Radfahrern gegenüber Pedelec-Nutzern hochschlagen lässt?

Die schöne Bewegungsform des Radfahrens

Vorhin am Berg war ich müde und wollte nur noch den Pass erreichen. Klar, dass in diesem Zustand ein Rentner, der locker an einem vorbeiradelt, unschöne Gedanken hervorruft. Aber wusste ich denn, ob der Herr gesund ist? Vielleicht hat er seit Jahren mit Knie- oder anderen lästigen Beschwerden zu kämpfen und erfreut sich einfach an der schönen Bewegungsform des Radfahrens in atemberaubender Landschaft? Und dank eines Elektromotors an seinem edlen Carbonrahmen kann er sein liebes Hobby weiter ausüben. Ist die abneigende Haltung gegenüber E-Bikern respektlos? In gewisser Weise gehören doch jedem der Wald, der schmale Trail in den Bergen und der Radweg am rauschenden Fluss entlang. Da haben doch nicht nur wir, die wir uns mit reiner Muskelkraft fortbewegen, ein Anrecht darauf.

Wenn die körperlichen Kräfte unterschiedlich sind

Während ich weiter an meinem Radler nippte, sah ich, wie ein Radfahrerpaar die letzten Meter des Passes erklomm. Beide in den 60ern, er gut trainiert auf einem MTB (ohne Motor) und seine weibliche Begleitung auf einem E-Bike. Diese Radkombination beispielsweise kann doch auch etwas Positives für eine Partnerschaft haben. Wenn die körperlichen Kräfte bei Mann und Frau unterschiedlich sind, können dennoch beide gemeinsam sportlich aktiv sein und die schönen Erlebnisse teilen.

Gleichermaßen sieht es auch beim wöchentlichen Bikertreff aus. Mit Elektroantrieb können ältere bzw. weniger fitte Personen trotzdem am Spaß des Sports in der Gemeinschaft teilhaben und müssen so nicht der vorauseilenden Gruppe hinterherhecheln oder gar ganz dem Treff fortbleiben.

Auch Fitte mit E-Motor unterwegs

Dann beendete ich meine Pause und stieg voller Vorfreude auf den anstehenden flowigen Singletrail auf mein MTB. In dem Moment schoss ein junger, völlig austrainierter Mann auf seinem MTB an mir vorbei. Aus dem Augenwinkel konnte ich noch den Elektroakku an seinem Bike erkennen, den dieser fitte Athlet sicherlich nicht benötigte. Habe ich eigentlich überhaupt schon mal daran gedacht, dass ein Biken mit Antrieb auch ganz einfach, so simpel es klingt, sehr viel Fun bringen könnte?

bei 2 Bewertung(en)

Über den Autor

Fährt gerne: Road

Bikes: Focus Izalco Chrono Max 3.0, Giant TCR Composite

Lieblings-Radrevier: Allgäu, Schwarzwald, Wetterau, Vogelsberg

6 Kommentare

  1. Dirk Heuvel
    1. Februar 2018 at 22:48 · Antworten

    Shitstorm über E-Bikes, wie kindisch und dumm ist das denn?

    Bin ich denn sauer, wenn mich ein Motorrad/ Auto am Berg überholt?
    Besteht da irgendein Unterschied?
    E-Bikes stinken nicht, tun niemanden weh und sind umweltfreundlich…ach und viel gesünder als Autofahren. Also was gibt’s denn da zu meckern?

    Ist es Missgunst oder ärger dass die Dinger so sauteuer sind oder wird doch nur mal wieder Dumm nachgeplappert?

    Wer richtig schwitzen will, kann das doch tun. Lache ich über jemanden der sich mühsam den Berg hochquält? Würde ich mich auf gleichen Niveau begeben wir die Dummhetzer bestimmt.
    Ich würde sogar anbieten jemanden mit meinen E-Bike hochzuziehen, wenn er das möchte!

    Übrigens fahre ich E-Bike + ein normales Rad und beides sehr gern!
    Das eine ist zum Genießen das andere zum Schwitzen.
    Gehirn einschalten und etwas mehr Toleranz ist kein schlechter Weg!

    • Daniel Gebauer
      3. Oktober 2018 at 19:34 · Antworten

      Das Problem liegt nicht an den E-Bikes, sondern das Verhalten deren Besitzer im sicheren Umgang mit sich selbst als auch mit anderen Radfahrern ohne Hilfsmotor. Wir beobachten und sehen immer mehr E-Bike Fahrer die die normalen Fahrradfahrer förmlich von der Strecke klingeln und ungebremst an einem vorbeirasen ohne abzuwarten das der Vordermann reagieren kann um „Platz zu machen“.
      Man darf sich wirklich fragen ob man hier wirklich Beifall für diesen technischen Fortschritt klatschen soll, da sich ja mittlerweile jeder lieber ein E-Bike käuft der es aus „körperlichen Gründen“ nötig hat, sowohl Menschen höheren Alters als auch junge Menschen, oder ist es nur frei nach dem Motto „der Zweck heiligt die Mittel“?
      Man hört immer mehr von Unfällen durch und mit E-Bikes, verschuldet durch Menschen die die Geschwindigkeit nicht einschätzen können, die eigene Reaktionszeit nicht einschätzen können, und drittens, sich darauf verlassen das die „normalen“ Radfahrer „Platz machen“. Diese aktuellen Gegebenheiten sollten den normalen Radfahrern mal erklärt werden bevor man hier das Wort Shitstorm erwähnt.
      Die StVo besagt unter anderem die „gegenseitige Rücksichtnahme“, nicht wer der motorisierte ist, ist der der Stärkere und hat Vorrang.

  2. F.Sl
    23. Mai 2018 at 22:37 · Antworten

    Rennrad, MTB und Pedelecs haben ganz eigene Nischen. Übereinander abschätzig herzufallen ist einfach nur dumm.
    Ich flitze seit 40 Jahren mit dem Rennrad ein paar mal die Woche (seit 3 Jahren mit künslicher Hüfte) mit gesenktem Haupt zwecks Höchstgeschwindigkeit über Bayerns Landstrassen. Öfter noch mit einem MTB (ohne Motor durch die Wälder.
    Zum Einkaufen (ohne Schweiß trotz 20 kg Zuladung), am Wochenende und bei Radurlauben (mit Frau und Freunden, in der Wachau u.a) mit dem E-Bike: Landschaft geniessen, anschauen, riechen, ohne Rücksicht auf Berg und Tal, und gerne mal mit einen Bier oder einem Vierterl intus …
    Na also.
    Hoffen wir, dass es bald 1000 Wh Akkus und Pedelecs um 15 kg gibt.
    Also grüßt bitte freundlich, wenn ich euch Muskeltreter am Berg mit meinem E-Bike überhole.
    Wir treffen uns oben auf ein Radler und quatschen über Räder.

  3. Lines
    11. Juni 2018 at 09:21 · Antworten

    Sehr schön geschriebener Bericht.
    Ich habe seit letzte Jahr auch ein eMTB und bin schon über 1500 km gefahren. Weil es irre Spaß macht. Abends mal schnell 30 km durch den Wald. Und ich bestimme wie ich
    mich anstrenge. Ich verstehe diesen Shit der Retro-Biker 🙂 auch nicht. Soll doch jeder den anderen seinen Spaß gönnen. Ich hab am Berg auch schon „Echte-Fahrrad-Fahrer“
    überholt. Was ich aber nie machen würde, dass ich sie auslache oder mir einen abgrinsen würde. Das ist nocht fair. Nebenbei bemerkt bin ich 54 und sehr durchtrainiert. Meine
    Fitness hole ich mir aber in anderen Sportarten. Bike ist für mich Spaß.
    Mein Frage an die motzenden Echt-Fahrrad-Fahrer ist dann immer die: Fährst du Ski? Ja – na dann nimmst du sicherlich nicht den Lift, oder?

  4. Balkin
    16. Juni 2018 at 20:30 · Antworten

    Mir geht es um etwas Anderes.Warum schämt man sich geradezu des Gewicht der E-Bikes anzugeben?Das wissen Sie selber,es ist nicht verkaufsfördern. Ich würde mir niemals ein E-Bike ohne Gewichtsangabe kaufen, das gehört einfach dazu , wie die Leistungsangabe des Akkus !!!

  5. Nik
    9. Juli 2018 at 15:52 · Antworten

    Ein Artikel der doch sehr klar dazu dient das Image der e-„MTB“s aufzupeppeln. Legitimierung des Kaufs ganz oben. Tut mir leid dies so sagen zu müssen.. doch ist es ein Abblid der heutigen Zweiradindustrie, Hersteller/Geldgeber, Verkäufer/Händler, .. und hinzu eine nicht unabhängige Berichtersattung der „Medien“… Ganz im Zeichen des absoluten Egoismus. Mensch Leute, passt einfach auf keine Kuhhaut. Nehmen und Fressen, top…

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