Sep 13

Interview mit O.Symetric auf der Eurobike 2019

Ovale Kettenblätter – Booster oder Mythos

Was für den 08/15 Radfahrer Nebensache ist, ist für den ambitionierten Fahrer auf einem Rennrad oder gar Leistungssportler ein Dorn im Auge und Glaubensfrage zugleich: Der „Totpunkt“ wenn beide Kurbeln senkrecht stehen und quasi kein Hebelweg für die Kraftübertragung zur Verfügung steht.

Was sagt der Platzhirsch „O.Symetric“?

Santiago hat auf der Eurobike 2019 mit Jean-Louis Talo gesprochen, dem Firmengründer und Erfinder des Prinzips der Kettenblätter von O.Symetric, der sein System mit einer unglaublichen Leidenschaft erklärt. Hier die Übersetzung des Interviews:

 Was macht die O.Symetric Kettenblätter so einzigartig?

 Unsere Kettenblätter sind nicht rund, aber auch nicht einfach nur oval. Wir haben eine ganz bestimmte, auf die Beinkraft abgestimmte Form. Gerne zeige ich Euch an einem Fahrrad die Effizienz des Systems.

 Bekanntermaßen gibt es beim Radfahren die Problematik der sogenannten Totpunktzone. Diese tritt von hier (demonstriert es) nach hier auf. In diesem Bereich des Trittzyklus hat man keine Kraft. Denn die menschlichen Beine sind ein flexibles System.

 In diesem Sektor des Kettenblattes verringern wir den Radius des Kettenblattes, damit man den Totpunkt besser überwinden kann – schneller und einfacher. Und das ist Alles.

 Die Totpunktzone ist eine echte Killerzone, denn sie macht den Beinen unheimlich zu schaffen. Der reduzierte Radius unterstützt die Beinarbeit. Das wirkt sich final auf den Sauerstoff- und Laktathaushalt aus.

 Das Treten wird einfacher, weil das Kettenblatt auf die Beine abgestimmt ist. Das ist umgesetzte Biomechanik und natürlicher als ein kreisrundes Kettenblatt.

 Das Treten ist in diesen Bereichen, der Totpunktzone zu hart für die Beine (demonstriert es). Totpunkt steht nicht umsonst für den Begriff „tot“. Die Lösung ist unser O.Symetric System mit dem reduzierten Radius im Bereich der Totpunktzone.

 Nicht umsonst haben bei 5 Tour de France Rennen Fahrer mit unserem System gewonnen! Davon 2 britische Fahrer – jeder kennt die Namen:  Wiggins und Froome…

 Und ich bin der einzige Sponsor, der dafür nichts zahlen muss – die Fahrer machen für mich Werbung zum Nulltarif. Da bin ich der Einzige. Normalerweise ist das Sponsoring sehr, sehr teuer.  

 Was genau macht den  Unterschied von O.Symetric zu den ovalen Kettenblättern wie zum Beispiel von Rotor aus?

Einfach nur oval für sich gesehen ist nicht die Lösung. Auf die Form kommt es an. Um das Ganze zu veranschaulichen: Die O.Symetric haben zwei kurven. Erste Kurve (zeigt mit dem Finger). Zweite Kurve (zeigt mit dem Finger). Und beide sind symmetrisch zum zentralen Punkt der Kurbel.

 Und dies ist die einzige Lösung, um die ganze Leistung aus den Beinen bestmöglich auszunutzen. Mit ovalen Kettenblättern ist es nicht möglich, weil die ovale Form nicht zu der Biomechanik der Beine passt. Deswegen mussten wir diese spezielle Form kreieren.

 Das hier ist ein 58er Kettenblatt von O.Symetric gegen ein rundes 58er Kettenblatt. Und du kannst die Unterschiede in diesen Zonen sehen. Wie man sieht: ab 90 Grad ist das runde Kettenblatt größer. Und das erschwert es Einem. Und in dieser Position (zeigt mit dem Finger) ist es das Gleiche. Das runde Kettenblatt ist viel zu groß für einen. Und mit dem O.Symetric ist es viel einfacher, diesen Totpunkt zu überwinden, weil es kleiner ist. Nicht mehr und nicht weniger.

 Und das produziert weniger Laktat und das ist sehr wichtig für einen Leistungssportler. Aber es ist auch sehr gut für normale Menschen. Speziell für Menschen mit Knie- oder Rückenschmerzen ist es sehr effizient – angewandte Biomechanik eben.

 Das System ist für alle Fahrräder kompatibel, gleich ob Cityrad, Rennrad oder Mountainbike. Beim Mountainbike kann O.Symetric am effizientesten arbeiten, weil man mit dieser Form immer maximalen Grip auf dem Hinterrad hat. Wenn man beim Mountainbike, in dieser Position (demonstriert es) viel Kraft einbringt, neigt das Hinterrad zum Durchrutschen. Bei O.Symetric ist das durch den größeren Durchmesser an dieser Stelle nicht der Fall.

Mehr Informationen zum „AddBike“ System findet Ihr auf der Homepage des Herstellers.

Fazit

Ein komplexes Thema – sehr logisch erklärt und in der Praxis noch viel komplexer als zuerst gedacht: So kann man die Position des Kettenblattes, je nach Biometrie des Fahrers nochmal in Winkelgraden versetzt montieren. Wir haben diese Thematik in unserem Ovale Kettenblätter Ratgeber schon ausführlich behandelt – lesen lohnt sich definitiv! Weitere Infos und Videos findest du auch auf der Homepage von O.Symetric.

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Über den Autor

Fährt gerne: Feld, Wald und Wiese

Bikes: Grace MX-S, KTM Macina Street, Cube AMS 100

Lieblings-Radrevier: Rheinhessisches Hügelland

1 Kommentar

  1. SEPP
    17. September 2019 at 08:25 · Antworten

    Der Ansatz ist durchaus interssant, allerdings glaube ich, dass er in der Praxis eine geringere Rolle spielt als in der Theorie. Nicht ohne Grund hat Shimano vor zig Jahren seine Biopace-Technik aufgegeben.

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