Sep 19

Interview mit CeramicSpeed auf der Eurobike 2019

CeramicSpeed Drive – löst der Antrieb die Kette bald ab?

Das System ist ja schon von der Eurobike 2018 bekannt – jedoch hatten Skeptiker das System bereits in die Kategorie  „technische Spielerei ohne große Zukunft“ eingeordnet. Aber: CeramicSpeed war auch auf der Eurobike 2019 mit der Weiterentwicklung des Systems vertreten – Prototypen konnten mittlerweile die ersten Erprobungsfahrten hinter sich bringen.

Wann kommt  CeramicSpeed in Serie?

Ceramic Speed Prototyp MTBCeramic Speed Prototyp MTB
CeramicSpeed Prototyp RennradCeramicSpeed Prototyp Rennrad
Santiago hat auf der Eurobike 2019 dem Mitarbeiter von CeramicSpeed „auf den Zahn gefühlt“. Hier die Übersetzung des Interviews:

 Können wir etwas mehr über die Wirkungsweise des Systems erfahren?

 Aber gerne – das System wie wir es hier vorfinden basiert auf zwei Ritzel. Das vordere hat 9 Lager – und unter dieser Abdeckung, die als Schutz gegen Schmutz und Matsch dient, haben wir ein Ritzel mit 12 Lager. Das Konzept hier ist vom Schalten her fix – aber wir haben mittlerweile auch ein schaltbares System, bei dem die Lager in der Mitte gesplittet sind , so dass sie horizontal frei beweglich sind. Gerne erkläre ich das mehr im Detail – schließlich ist es unsere neueste technische Weiterentwicklung des Systems:

Letztes Jahr bei der Eurobike haben wir das Konzept vorgestellt. Damals konnte man es weder Schalten noch Fahren. Mittlerweile haben wir die Schaltbarkeit realisiert, auf welches wir ein Patent eingereicht haben. Somit sind wir dem Ersatz des Kettenantriebes ein gutes Stück näher gekommen.

Wann sehen wir das System auf der Straße, was glauben Sie?

(Lacht) Das ist eine wirklich gute Frage. Der Zeitpunkt hängt zum einen von den Ressourcen ab, um das System weiter zu entwickeln, auch in finanzieller Hinsicht. Danach ist es eine Sache der Priorisierung. Das System könnte in zwei Jahren serienreif sein, das hängt jedoch von einer exakten Planung ab. Um ehrlich zu sein wird das aber nicht alleine durch CeramicSpeed zu bewerkstelligen sein, sondern nur in Zusammenarbeit mit einem starken Partner im Bereich der Antriebstechnologie.

Wie sieht es mit dem Preis aus – wäre das System viel teurer als herkömmliche Systeme? 

Im Endeffekt sind für ein solches System wesentlich weniger Einzelteile anzufertigen – so kann es in der Theorie auf lange Sicht möglicherweise zum gleichen Preis, wenn nicht sogar günstiger angeboten werden als herkömmliche Systeme.

Ich denke, Kunden sollten keine Angst davor haben, dass wir hier eine „10.000 Dollar Antriebseinheit“ vor uns haben – schon gar nicht wenn sie in Serie geht.

Limitiert das System die Fahrradgeometrie in irgendeiner Weise?

(Zögert) Im Idealfall passt ein Hersteller das Design eines Fahrrades optimal an den Antriebsstrang an.  Für das Konzept und die Machbarkeitsstudie haben wir das System in ein bestehendes Rad integriert – aber das ist nicht die Lösung für die Zukunft. Die Lösung für die Zukunft ist, dass das System den Massenmarkt erobert und die Hersteller das Fahrrad Design auf den Antrieb abstimmen. 

Wie viele Gänge haben wir hier?

Bei diesem speziellen Rad hier sind es sieben, wir können aber auch dreizehn realisieren. Aber letztendlich kommt es auf das Übersetzungsverhältnis an. Bei einer kleinen Kassette hinten, kann man mit zwei (Ketten)blättern vorn arbeiten. Die Übersetzungsverhältnisse könnten so viel enger gestaltet werden. Man könnte zum Beispiel mit einer Kombination aus zwei  55er und 50er Ritzeln vorn und einer kleinen, eng gestuften Einheit hinten arbeiten. Oder aber ein Blatt vorne mit einem 13er Ritzel hinten kombinieren. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten und denkbaren Varianten, nichts ist derzeit festgeschrieben.

Wie sieht es mit dem Fahrgefühl aus – ist es härter als bei einem „normalen“ Fahrrad?

(Zögert) Wie von einem Prototyp zu erwarten ist es noch nicht wirklich geschmeidig. Es ist schließlich ein Prototyp, wir hatten ihn auf der Radrennbahn und dort auf eine Höchstgeschwindigkeit bis zu 45 km/h getestet. Aber natürlich – es ist laut, es hört sich fast ein bisschen wie ein Formel Eins Auto an, wenn es seine Bahnen zieht.

Aber das ist lösbar, das ist etwas woran wir arbeiten. Aber hier und heute ist es in naturgemäß noch nicht zu einem Serienantrieb wettbewerbsfähig. 

Mehr Informationen zum CeramicSpeed System findet Ihr auf der Homepage des Herstellers.

Fazit

Sicher noch ein langer Weg von CeramicSpeed bis zur Serienreife und wie im Interview erläutert, ohne das Engagement eines großen, namhaften Antriebsherstellers im Zweiradbereich sicher nicht im Alleingang aus eigener Kraft zu stemmen. Wir sind gespannt darauf, CeramicSpeed auf der Eurobike 2020 wieder einen Besuch abzustatten.

Das könnte dich auch interessieren

Bitte bewerte diesen Blog-Beitrag:

War dieser Beitrag hilfreich?

Teile diesen Beitrag mit deinen Freunden!

Über den Autor

Fährt gerne: Feld, Wald und Wiese

Bikes: Grace MX-S, KTM Macina Street, Cube AMS 100

Lieblings-Radrevier: Rheinhessisches Hügelland

1 Kommentar

  1. Mel L
    21. September 2019 at 07:01 · Antworten

    Die Idee ist faszinierend. Eine Chance hat der Antrieb, wenn er relativ wartungsfrei, fast genauso leise ist wie ein heutiger Fahrradantrieb, geschmeidig geschalten werden kann und das ganze nur unwesentlich teurer wird.

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.