Jan 03

E-Rennrad Trend – Unsinn oder nicht?

Es ist wie es ist. Der technische Fortschritt macht auch vor dem guten alten Drahtesel nicht halt und es war nur eine Frage Zeit, bis der E-Trend vom Trekkingrad über das Mountainbike bis zum Rennrad vorstoßen würde. Nach den ersten Konzepten der Hersteller sind die ersten E-Rennräder käuflich zu erwerben. Die sowieso schon leicht erhitzte Debatte darüber, ob E-Bikes überhaupt Sportgeräte sind, dürfte damit neuen Zunder bekommen. Aber muss man diese Neuentwicklungen wirklich verteufeln oder ist es am Ende vielleicht doch eine sinnvolle Ergänzung der Produktpaletten?

Was ist ein E-Rennrad?

Das erste E-Rennrad-Konzept entstand bereits im Jahre 2012. Damals war es HiBike die mit ihrem eQ Race für Aufsehen sorgten. Dann war es lange still um die motorisierten Rennvelos. Zwar zeigten verschiedene Hersteller in den Folgejahren immer wieder neue Modelle und Studien, aber in den Markt drangen E-Rennräder nur zögerlich hervor. Das änderte sich 2018 radikal, als sämtliche namhaften Marken, darunter Bianchi, Giant, Orbea oder BH-Bikes, mit marktreifen Modellen auf den Messen auftauchten. Manchen Modellen sieht man den Motor nicht mal an, was die Diskussionen um Motordoping stark anheizt. Dennoch muss man differenzieren, denn die E-Rennräder sind – zumindest laut einhelliger Meinung der Hersteller – nicht für den ambitionierten Wettkampf-Radler gedacht.

Fazua E-Bike AntriebssystemFazua E-Bike Antriebssystem

Wo werden E-Rennräder eingesetzt?

E-Rennräder sollen vor allem da zum Einsatz kommen, wo ab und an mal etwas Unterstützung notwendig wird. Also z.B. bei langen Touren und vor allem, wenn man in einer Gruppe mit hohen Leistungsunterschieden unterwegs ist. Aber auch wenn man im Alter oder aufgrund von Krankheit nicht mehr so heftig in die Pedale treten kann, sein Hobby jedoch nicht an den Nagel hängen möchte. Wie es bei anderen E-Bikes eben auch der Fall ist.

Das E-Rennrad als Trainingsrad

Natürlich kann ein E-Rennrad aber auch eine prima Trainingsalternative sein, denn letztlich hat man ja immer die Wahl, ob man Unterstützung möchte oder eben nicht. Ist man bei einer langen Trainingsrunde frühzeitiger als gedacht ermüdet, kann man dank Unterstützung trotzdem zu Ende fahren und mit im Schnitt knapp 14 kg Gesamtgewicht sind die meisten elektronisch betriebenen Rennräder deutlich leichter als ihre großen Brüder, die im Gelände unterwegs sind. Außerdem ist es bei vielen Modellen möglich, Akku und Motoreinheit auszubauen, so dass man ein normales, nicht wesentlich schwereres Rennrad bekommt. Und letztlich darf man ja nicht vergessen, dass die Motorunterstützung bei 25 km/h aufhört. Das heißt in der Ebene fährt man auch auf dem E-Roadbike meist aus eigener Muskelkraft.

Abruf von Leistungsdaten dank Motoranalyse

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil liegt darin, dass die meisten E-Rennräder direkt mit smarter Technologie daherkommen. Meist wird direkt eine Begleit-App angeboten, die alle Daten des Motors erfasst und Trainings- oder Navigationsfeatures beinhaltet. Was aktuell aber noch kein Hersteller wirklich auf dem Schirm hat, ist die Integration von Leistungsdaten, was eigentlich relativ einfach abbildbar.

Welche E-Rennräder gibt es?

Nur zögerlich wagen sich die großen Bike-Hersteller in die E-Rennradszene. Viele Rennradler sind sehr skeptisch und kritisch diesbezüglich, weshalb die Zurückhaltung durchaus verständlich ist. Aber wie schon erwähnt, der Fortschritt lässt sich nun mal schwer aufhalten und so gibt es inzwischen einige Aushängeschilder, die die beiden Welten sehr gekonnt zusammenführen. Einige davon wollen wir dir hier präsentieren: 

Orbea Gain

Dem Gain sieht man den Motor auf den ersten Blick gar nicht an. Dadurch hat es eine schön cleane Optik und sieht richtig edel aus. Außerdem ist es sehr offen gestaltet, wodurch es sich auch als Gravel-Bike qualifiziert. Das Gain gibt es in einer Alu- und einer Carbon-Version, die preislich zwischen 2000 und 7500 € rangieren, je nach Ausstattung. Das Besondere beim Gain ist die Steuerzentrale des Motors. Diese wird durch einen kleinen Knopf am Oberrohr abgebildet, wodurch am Lenker Platz für Fahrradcomputer, Klingel und andere Accessoires ist. Angetrieben wird es durch einen Nabenmotor und über die zugehörige Smartphone-App kann man leicht sämtliche Streckendaten sowie die Leistung und den Akkustand der Batterie ablesen.

Orbea 2019 Gain M10Orbea 2019 Gain M10
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Focus Paralane² 

Das Paralane2 ist ebenfalls ein sehr schicker Vertreter seiner Zunft. Den Motor sieht man hier zwar deutlicher, aber er ist trotzdem schön in das Gesamtkonzept des Bikes eingearbeitet. Es bietet die Möglichkeit, Reifen mit einer Breite von bis zu 35 mm aufzunehmen. Bedienen lässt sich der Motor direkt an der Antriebseinheit, die jederzeit entnommen werden kann um das Rad von knapp 13 auf 10 kg abzuspecken (in der Carbon-Variante). An der Geometrie erkennt man, dass es eher ein Touren, als ein Race-Bike ist. Preislich liegt das Paralane² je nach Ausstattung zwischen 4000 und 7000€.

Focus 2019 Paralane² 9.9Focus 2019 Paralane² 9.9
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Cube Agree Hybrid C:62 SLT

Ähnlich wie beim Focus sieht man auch dem Cube Agree Hybrid den Motor an, allerdings ist er ebenso schön in den umgemodelten Agree-Rahmen integriert. Wer die Agree-Serie kennt, weiß auch, dass es sich hier eher um die tourenlastigeren Räder handelt und das Hydrid tanzt hier nicht aus der Reihe. Auch beim Cube kannst du die komplette Antriebseinheit entnehmen und das Rad um satte 3,3 kg entschlacken. Preislich rangiert es in der SLT-Variante um die 8000€ und in der SL-Variante um die 5000€. Für den Aufpreis gibt es unter anderem noch die elektronische Dura-Ace-Schaltgruppe.

Cube 2019 Agree Hybrid C:62 Race DiscCube 2019 Agree Hybrid C:62 Race Disc
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Wilier Cento1 Hybrid

How low can you go? Wie immer beim Rennrad spielt auch bei den E-Rennrädern das Gewicht eine Rolle. Wilier drückt sein Cento1 Hybrid mal eben auf knapp unter 12 kg. Es ist damit eines der leichtesten Vertreter seiner Zunft. Es sieht richtig schick aus und bietet ein paar sehr spannende Zusatzfeatures. So kann man die Steuereinheit mit einem Pulsgurt koppeln und einstellen, ab welcher Herzfrequenz die Unterstützung einsetzen soll. Das macht man über eine zugehörige App, über die man auch weitere Trainingsdaten erfassen und den Motor auswerten und einstellen kann. Preislich liegen wir beim Wilier zwischen 4100 und 8200€.

Willier 2019 Cento1 HybridWillier 2019 Cento1 Hybrid
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Bianchi Impulso und Aria

Siehe da: Sogar die traditionelle, alteingesessene Radschmiede setzt auf Elektronik. Und man muss es eingestehen: Gerade das Aria ist ein verflucht schickes Stück Technik, das mal so gar nicht nach E-Rennrad aussieht. Das Impulso hingegen ist als Gravel-Bike designt und etwas stämmiger. Das Aria bietet ähnliche Funktionen wie das Centro1 Hybrid von Willier, ist also ebenfalls mit Herzfrequenz-Steuerung und App ausgestattet. Beim Impulso gehts technisch etwas einfacher zu, dafür hat es aber mit einer 500 Watt Batterie doppelt so viel Wums wie das Aria. Der Preis für das Aria ist noch nicht bekannt. Das Impulso hat einen UVP von 4799€

  • Bianchi 2019 Aria eRoad
  • Bianchi 2019 Impulso eRoad

Fazit

Man sieht also: Das Wettrüsten hat schon lange begonnen und da draußen wird fleißig an einer neuen Generation Rennrad gebastelt. Die Skepsis in der Szene ist noch groß, aber über kurz oder lang werden auch die motorisierten Rennräder ihre Nische finden. Letztlich profitieren davon alle, die mit dem Rennrad vor allem auf der Suche nach Abenteuern sind und für die weniger der Leistungsgedanke, als der Spaß am Fahren im Vordergrund steht. Und natürlich profitieren von der Entwicklung auch Rennradfahrer, die nur noch eingeschränkt leistungsfähig sind, ihr Hobby aber nicht an den Nagel hängen wollen.

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Über den Autor

Fährt gerne: XCO, XCM, Road, Cyclocross

Bikes: BMC TeamMachine SLR01 Disc, Specialized S-Works Epic, BMC Roadmachine 03, Ridley X-Night

Lieblings-Radrevier: Bergstraße & Odenwald

2 Kommentare

  1. Ulrich Aicher
    4. Juni 2019 at 23:25 · Antworten

    Guten Abend,
    fahre seit über 30Jahren Rennrad, früher war ich Amateur Radrennfahrer.
    Vor zwei Jahren hatte ich eine riesen OP und darf nur noch 75W treten und nicht viel mehr als 10kg tragen. Dank meines E-Rennrades Orbea Gain M30 kann ich wieder radeln und mir den Fahrtwind und die Nase wehen lassen. Meine Radkollegen haben sich bereits an meine Motorunterstützung gewöhnt und sie freuen sich, dass ich wieder mitfahren kann. Einfach klasse. An anderer Stelle kann ich gerne über die Pro und Cons des Rades Auskunft geben.
    Gruß Uli

    • Wolfgang Pollner
      5. Juni 2019 at 07:44 · Antworten

      Hallo Uli,
      da wir das Orbea Gain M30 auch im Shop haben, wäre es nett, wenn du dort unter „Kundenbewertung“ deine Pro und Cons listen würdest.
      Danke dir vorab
      Grüsse
      Wolfgang

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