Sep 26

Gravel Bike vs. Cyclocross – Was passt zu dir?

Oft verstecken sich Gravel Bikes hinter anderen Bezeichnungen oder werden einfach nach ihrem Einsatzzweck benannt: Crosser, Pendler-Rad, Winter-Rennrad, Reise-Rennrad, Gravel-Racer, Adventure-Bike… Alle diese Bikes tragen gemeinsame Gene in sich und decken einen deutlich größeren Bereich als das klassische Rennrad ab, dabei variiert die Ausstattung stark – gerade in Bezug auf Geometrie, Schaltung, Übersetzung und Bremsen. Cyclocrosser dagegen wurden ursprünglich als reine Sportgeräte entwickelt, ohne auf Komfort, Alltags- oder gar Langstreckentauglichkeit ausgelegt zu sein. Nun ist dem veränderten Anforderungsprofil der Kunden an ihre Bikes und der Interpretation des jeweiligen Herstellers zu verdanken, dass es bei Geometrie und Ausstattung Überschneidungen und Gemeinsamkeiten gibt – so kann manches Gravel Bike durchaus sportlicher aufgestellt sein als mancher Cyclocrosser. Andersrum gibt es aber auch deutliche Unterscheidungsmerkmale, die meist die Reifen und weitere Ausstattungsmöglichkeiten, wie z.B. Schutzbleche oder Gepäckbefestigung betreffen. Im folgenden Text haben wir die charakteristischen Merkmale beider Bike-Typen für dich aufgelistet:

Was ist ein Gravel Bike?

Gravel Bikes sind von der Positionierung zwischen Rennrad und Cyclocrossern angesiedelt und perfekt für Fahrer, die ihr Rad zu etwa 2/3 auf der Straße und zu 1/3 auf Schotter- und Waldböden fahren. „Gravel“ bedeutet zu deutsch übrigens „Schotter“. Sie eignen sich hervorragend für sportliche Fahrten bei jedem Wetter und auf wechselnden Untergründen – mit einem Gravel Bike ist das ganze Jahr Rennradsaison!

Folgende Punkte kennzeichnen ein Gravel Bike:

Reifen: Die Reifenbreite variiert von 28mm (sehr sportlich) bis 42mm (sehr komfortabel), wobei die Reifen durchweg profiliert sind. Je breiter und stärker ein Reifen profiliert ist, desto komfortabler, aber auch träger wird das Bike. 28“ Zoll große Felgen sind üblich, für mehr Geländegängigkeit und eine Ausrichtung Richtung Reiserad bzw. Randonneur bieten einige Hersteller auch das gängige Mountainbike-Maß 27,5“ Zoll (650b) an.

Geometrie: Gravel Bikes sind von der Sitzposition her gemäßigter als Rennräder. Ein kürzeres Oberrohr sorgt in Verbindung mit einem längeren Steuerrohr für eine aufrechtere und kompaktere Sitzposition, wodurch das Bike ideale Langstrecken- und Reiseeigenschaften besitzt. Ein Stack-to-Reach-Wert von etwa 1,5 (beschreibt die goldene Mitte) bis 1,65 (sehr komfortabel) stehen für eine entspannte Sitzposition.

Ausstattung: Gravel Bikes haben aufgrund ihres breiten Einsatzgebietes oft die Möglichkeit, Schutzbleche und Gepäckträger zu installieren. Durch diese Eigenschaft sind sie für Fahrten bei jedem Wetter und als Reiseräder bestens geeignet. Manche Hersteller gehen sogar soweit, dass sie an ihren Gravel Bikes feste Beleuchtung und Nabendynamos installieren, womit sie StVZO-konform wären – ein nicht unwichtiger Punkt für Ganzjahresfahrer.

Übersetzung: An Gravel Bikes findest du die volle Bandbreite an Übersetzungen, von der klassischen Rennradübersetzung 2×11-fach mit Kompaktkurbel 50/34, über die Crossübersetzungen 2×11-fach mit 46/36 und kleiner, bis hin zu den noch jungen 1-fach Schaltungen wie Sram´s Apex, Rival oder Force 1×11.

Bremsen: An Gravel Bikes finden sich ausschließlich Scheibenbremsen, die bei schlechter Witterung oder hoher Zuladung über eine bessere Bremsperformance verfügen als klassische Felgenbremsen. Günstigere Modelle haben mechanisch betätigte Scheibenbremsen, höherwertige Bikes bremsen mit hydraulischen Scheibenbremsen.

  • Rondo Ruut CF2
  • Rondo Ruut CF2 Gravel Plus
  • Rondo Ruut CF2 typischer Gravelbike Lenker
  • Rondo Ruut CF2 1-Fach Schaltung von Sram

Was ist ein Cyclocross Bike?

Cyclocross Bikes sind von der Positionierung zwischen Rennrad und Mountainbike angesiedelt und für die Fahrer gedacht, die ihr Bike zum größten Teil sehr sportlich und hauptsächlich abseits befestigter Straßen bewegen. Rein in den Wald, matschige Pisten hoch und runter, querfeldein über Wiesen und Schotter, Tragepassagen mit geschultertem Rad – ein Cyclocrosser ist ein sportliches Wettkampfgerät, ein Mountainbike mit Rennlenker.

Folgende Punkte kennzeichnen einen Cyclocrosser:

Reifen: Die Reifenbreite liegt zwischen 32mm und 35mm, wobei die Reifen für guten Grip im Gelände meist stark profiliert sind. Bei Cyclocross-Rennen sind laut UCI max. 33mm breite Reifen zugelassen; 28“ Zoll große Felgen sind durchweg Standard.

Geometrie: Cyclocrosser sind auf eine kompakte, aber sportliche Sitzposition ausgelegt. Das zeigt sich durch ein kürzeres Oberrohr, aber auch ein kürzeres Steuerrohr, was mehr Sattelüberhöhung und eine sportlichere Haltung als auf dem Gravel Bike zur Folge hat. Zudem sitzt für mehr Bodenfreiheit das Tretlager höher, was zu einem insgesamt höheren Schwerpunkt des Rades führt. Ein flacher Lenkwinkel sorgt für eine bessere Kontrolle bei Abfahrten und auf wechselndem Terrain. Ein Stack-to-Reach-Wert von 1,5 (beschreibt die goldene Mitte) bis 1,35 (sehr sportlich) kennzeichnen die eher sportlich ausgelegte Geometrie. Ein weiteres charakteristisches Merkmal für einen Cyclocross-Rahmen ist sein abgeflachtes Oberrohr, damit das Rad bei Tragepassagen bequem geschultert werden kann. Extern verlegte Bowdenzüge verlaufen bei diesen Rahmen deshalb auf dem Oberrohr.

Ausstattung: Cyclocrosser haben aufgrund ihrer sportlichen Auslegung den Fokus auf geringes Gewicht und maximale Performance, daher sind selten Schutzbleche und noch seltener Gepäckträger durch werksseitige Befestigungsmöglichkeiten vorgesehen.

Übersetzung: Da Cyclocrosser weniger auf hohes Tempo ausgelegt sind, finden sich dem Einsatzgebiet entsprechend eher kleinere Übersetzungen mit fein abgestuften Gängen. Bei zwei Kettenblättern vorne sind die Abstufungen 46/36, 44/34 und 42/32 üblich, hinten kommt meist eine 11-28 oder 11-32 Kassette zum Einsatz. Der Trend der 1-fach Kurbel aus dem MTB Bereich ist mittlerweile auch im Cyclocross angekommen: Weniger Gewicht, geringere Wartungs- und Pannenanfälligkeit bei gleichzeitig einfacherer Bedienung sind gute Argumente, die gerade im Geländesport große Vorteile mit sich bringen.

Bremsen: Bei den Bremsen gehen die allerwenigsten Hersteller noch Kompromisse ein: Im Cyclocross Segment hat sich die Bremsscheibe als Standard etabliert, ob nun mechanisch oder hydraulisch betätigt. Nur noch an ganz günstigen oder nostalgischen Modellen findet sich die altbekannte Cantilever-Bremse. Die ist zwar leichter und wartungsärmer als die Scheibenbremse, ist ihr aber in puncto Bremsperformance bei schmutzigen Bedingungen deutlich unterlegen – und darauf kommt es bei Cyclocrossern schließlich an.

  • Cannondale SuperX
  • Cannondale SuperX Force 1 Cyclocross
  • Cannondale SuperX Force 1
  • Cannondale SuperX Sram Force

Cyclocross oder Gravel Bike? – Gegenüberstellung beider Bikes

Als Rennradfahrer spürst du es selbst jeden Tag am eigenen Leib: Das klassische Rennrad hat einen relativ schmalen Einsatzbereich. Die gute Performance auf der Straße wird leider durch andere Nachteile erkauft, wie z.B. die fehlende Eignung für schlechte Wegstrecken und Einsätze bei jedem Wetter, sowie die Unterbringungsmöglichkeiten von Gepäck.

Wenn du also ganzjährig mit dem Rad sportlich unterwegs sein möchtest, dir nicht mehr mit den Autos die Straßen teilen willst oder gar eine ambitionierte Radreise planst, ist ein Rennrad mit einem größeren Einsatzbereich die richtige Lösung.

Sowohl Cyclocrosser, als auch Gravel Bikes können die Nachteile des klassischen Rennrades größtenteils ausgleichen, dabei entscheidest du mit dem hauptsächlichen Verwendungszweck, welches Bike für dich das richtige ist.

Bis vor kurzem wurden für die oben genannten Anforderungen hauptsächlich Cyclocrosser eingesetzt – und das hatte einen einfachen Grund: Es gab noch keine Gravel Bikes! Die noch junge Gattung des Rennrades werden wir in Zukunft häufiger sehen und es werden viele Hersteller Bikes in dieser Kategorie anbieten, da sind wir uns sicher – denn das Gravel Bike schließt perfekt die Lücke zwischen klassischem Rennrad und offroadtauglichem Cyclocrosser.

Wir haben hier zwei unterschiedliche Fahrer-Typen charakterisiert, schaue einfach, welcher Typ dir am ehesten entspricht und du hast eine gute Empfehlung für die richtige Auswahl deines Bikes.

Fahrertyp Cyclocrosser

Radfahren ist für dich in erster Linie Sport. Du willst dich verausgaben und in maximal 1 bis 1,5 Stunden Fahrzeit alles aus dir rausholen. Schlechtes Wetter kann dich nicht aufhalten und die Straße benutzt du nur, um so schnell wie möglich ins Gelände zu kommen. Nach der Ausfahrt haben dein Bike und du eh eine Dusche nötig, deshalb verzichtest du zugunsten geringeren Gewichts und mehr Sportlichkeit gerne auf Schutzbleche oder irgendwelche Komfortmaßnahmen – dafür genießt du die neidischen Blicke der Mountainbiker, wenn du im Wald oder auf matschigen Böden an ihnen vorbeiziehst. Dank der kleinen Übersetzung kannst du schnell antreten und kommst jede Steigung hoch. Weil du dich auf der Arbeit umziehen und duschen kannst, setzt du dein Bike für diese kurze Strecke gelegentlich ein, die notwendigen Utensilien verstaust du dabei in einem kleinen Tagesrucksack.

Cyclocross RennenCyclocross Rennen

Fahrertyp Gravel Bike

Du bist leidenschaftlicher Rennradfahrer und ziehst das Rad auch bei schlechtem Wetter dem Auto vor. Am liebsten fährst du auf Straßen oder Radwegen und wenn es am Kanal- oder Flussufer mal über geschotterte Wege geht, ist das eine willkommene Abwechslung. Eine Strecke durch den Wald abzukürzen ist für dich auch noch ok, aber so richtige Geländefahrten sind nicht dein Ding. Du magst die sportliche Sitzposition eines Rennrades und freust dich über das flotte Vorankommen auf dem Weg zur Arbeit oder auf einer längeren Tour und benötigst dafür eine breite Übersetzung. Dass dein Rad und deine Kleidung dank der Schutzbleche nicht nach jeder Fahrt dreckig sind, findest du überaus praktisch. Genauso begeistert bist du von der Möglichkeit, mit deinem komfortablen und schnellen Bike auf Tour zu gehen und das nötige Gepäck am Rad unterbringen zu können. Überhaupt sind Steckbeleuchtung und Schutzbleche für dich kein optischer Makel – im Gegenteil: Sie sind Merkmale eines sportlichen Ganzjahresfahrers.

Das Gravelbike als all Season-BikeDas Gravelbike als all Season-Bike

Wahlmöglichkeiten bei Cyclocrossern und Gravel Bikes

Wenn du dir Modelle beider Kategorien anschaust, wirst du je nach Preisklasse und Interpretation des Herstellers eine breite Auswahl an potentiellen Bikes für deine Zwecke vorfinden.

Die Grafiken helfen dir dabei, die Bikes richtig einzuordnen und die passende Wahl für dich zu treffen.

Welche Geometrie?
Welche Ausstattung?
Welche Bremsen?
Welche Übersetzung?
Welche Reifenbreite?

Qualität und Budget

Für Cyclocrosser und Gravel Bikes gelten die gleichen Grundsätze wie für alle Fahrräder: Für mehr Geld bekommst du in der Regel auch höherwertige Komponenten, ein geringeres Gesamtgewicht und besseres Material. 

Was du in welcher Preisklasse erwarten darfst, haben wir für dich hier zusammengestellt. 

Was kannst du in der Preisklasse von 800 € bis 1200 € erwarten?

Ab etwa 800 € bekommst du bereits Bikes aus beiden Kategorien. Die Einsteigerklasse verfügt über einen soliden Aluminiumrahmen, teilweise ist auch schon ein Carbongabel verbaut. Bei den Bremsen findest du eine Cantilever- oder mechanische Scheibenbremse vor und die Laufräder sind aus Aluminium mit Schnellspannachse. Robuste Schaltgruppen wie Shimano´s Sora oder Tiagra kommen hier gerne zum Einsatz und das Gewicht beträgt in der Regel zwischen 10 kg und 11 kg.

Beispiel Cyclocrosser

Cube Cross RaceCube Cross Race

Beispiel Gravel Bike

Bergamont Grandurance 6Bergamont Grandurance 6

Was kannst du in der Preisklasse von 1200 € bis 1800 € erwarten?

In der beliebten Mittelklasse kannst du dich über eine deutlich aufgewertete Ausstattung freuen: Hochwertige Aluminium- oder Carbonrahmen mit Carbongabel drücken das Gewicht deutlich unter 10 kg, was auch an den höherwertigen Schaltgruppen wie Shimano´s 105 oder den leichten 1×11-fach Antrieben Apex oder Rival von Sram liegt. Gebremst wird ausschließlich mit Scheibenbremsen, sowohl mechanisch als auch hydraulisch. Die Laufräder werden leichter und stabiler, zudem verfügen sie meist über steife Steckachsen.

Beispiel Cyclocrosser

Cube Cross Race ProCube Cross Race Pro

Beispiel Gravel Bike

Koga Colmaro AllroadKoga Colmaro Allroad

Was kannst du in der Preisklasse von 1800 € bis 2500 € erwarten?

Die Oberklasse ist rundum top ausgestattet und lässt jedes Sportlerherz vor Freude höherschlagen. Leichte und steife Carbonrahmen mit Vollcarbongabel gehören ebenso zum guten Ton wie hydraulische Scheibenbremsen, Steckachsen und leichte Schaltgruppen wie Shimano´s 105 oder Ultegra, oder aber auch die leichten 1×11-fach Antriebe Apex, Rival oder Force von Sram. Das Gesamtgewicht liegt in dieser Klasse um die 9 kg.

Beispiel Cyclocrosser

Focus Mares 6.9Focus Mares 6.9

Beispiel Gravel Bike

Rondo Rondo Ruut Al Gravel Plus

Was kannst du in der Preisklasse von 2500 € bis 4000 € erwarten?

Die High-End-Klasse lässt sich einfach beschreiben: Hier wird alles noch einmal leichter, steifer und edler. Mit Rahmen, Gabel und Anbauteilen aus hochwertigem Carbon bekommst du wettkampffähiges Material an die Hand, was sich ebenso auf der Seite der Komponenten zeigt. Shimano´s Ultegra oder Dura Ace, alternativ Sram´s Force 1 drücken in Verbindung mit leichten Laufrädern das Gesamtgewicht deutlich Richtung 8 kg.

Beispiel Cyclocrosser

BMC Crossmachine CX01BMC Crossmachine CX01

Beispiel Gravel Bike

Cannondale SuperX SE Force 1Cannondale SuperX SE Force 1

Das könnte dich auch interessieren

War dieser Beitrag hilfreich?

Teile diesen Beitrag mit deinen Freunden!

Über den Autor

Fährt gerne: XCO, XCM, Road, Cyclocross

Bikes: BMC TeamMachine SLR01 Disc, Specialized S-Works Epic, BMC Roadmachine 03, Ridley X-Night

Lieblings-Radrevier: Bergstraße & Odenwald

2 Kommentare

  1. Mike
    10. Juli 2019 at 09:50 · Antworten

    Super Artikel. Danke!

  2. Hans-Jürgen Schmidt
    10. Oktober 2018 at 22:01 · Antworten

    Sehr guter aufklärender Artikel ,vor allem wenn man erst wieder neu in die neue Entwicklung der Rennräder und deren Abkömmlingen einsteigt.
    Prima Endscheidungshilfe , weiter so „Fahrad XXL“!

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.