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Welcher Rennrad Vorbau?

Welcher Rennrad Vorbau

Auf den ersten Blick ist der Vorbau ein kleines und unscheinbares Bauteil, dabei kann er viel mehr als nur den Lenker zu halten. Je nach Ausführung und Montage kann er maßgeblich die Sitzposition beeinflussen – und z.B. eine sportliche Haltung in eine komfortable Haltung verwandeln. Da er zudem im direkten Blickfeld liegt, spielt natürlich auch die optische Gestaltung eine große Rolle. Welche Modelle es gibt und worin sie sich unterscheiden, haben wir für dich hier zusammengefasst.

Allgemeine Infos zum Vorbau
Aktueller Vorbau Standard
Der richtige Vorbau
Vorbau montieren

Allgemeines zum Rennrad Vorbau

Rein technisch betrachtet, stellt der Vorbau die Verbindung zwischen Gabelschaft und Lenker her: Du bewegst den Lenker in die gewünschte Richtung und die Gabel folgt mit dem Vorderrad dieser Bewegung – soweit so gut. Dieser Verbindung sollte durch die auftretenden Kräfte erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden, denn fehlerhaft montierte Vorbauten können folgenschwere Stürze nach sich ziehen.

Wenn man sich dieses kleine Bauteil jedoch in Verbindung mit den Rahmenmaßen anschaut, fällt das eigentliche Potential ins Auge. Die Länge des Vorbaus geht in eine Richtung mit der Oberrohrlänge des Rahmens und dem Reach des Lenkers. Der Winkel und die Montage (positiv oder negativ) gehen in eine Richtung mit der Steuerrohrlänge des Rahmens und dem Drop des Lenkers. Die Sitzposition auf deinem Rennrad kannst du also relativ simpel mithilfe des Vorbaus beeinflussen.

Vorbaumaße:

Vier signifikante Kenngrößen gibt es zu beachten, um den passenden Vorbaut für dich und dein Rennrad zu finden. Diese Kenngrößen und eine Drehmomentangabe sind meist auf dem Vorbau vermerkt:
  • Länge = Vorbaulänge in mm, von Steuerrohrmitte zu Lenkermitte gemessen. Üblicherweise ein Maß zwischen 90 mm und 120 mm. Je länger der Vorbau, desto mehr musst du dich strecken um den Lenker zu greifen.
  • Winkel = Winkelmaß in °Grad, abweichend vom rechten Winkel zwischen Gabel Schaft und Vorbau. Ein typischer Vorbauwinkel ist 6° bis 8° Grad. Je größer der Winkel, desto tiefer oder höher ist der Lenker positioniert.
  • Durchmesser des Gabelschaftes = Angabe in Zoll, üblicherweise 1 1/8“ (28,6mm)
  • Durchmesser der Lenkerklemmung = Angabe in mm oder Zoll, üblicherweise 31,8 mm
  • Nm = Vorgeschriebenes Anzugs-Drehmoment der Klemmschrauben, meist 5 Nm oder 6 Nm. Darf auf keinen Fall überschritten werden – Drehmomentschlüssel empfehlenswert!

Aktueller Vorbau Standard

Rennrad Ahead Vorbau

Aktueller Standard ist bei den Rennrädern der sog. Ahead Vorbau. Das Prinzip ist einfach: Eine Klemmung verbindet den Vorbau mit dem Gabelschaft, die andere Klemmverbindung verbindet den Vorbau mit dem Lenker.

Das übliche Maß der Gabelschaftklemmung ist 1 1/8 Zoll, also 28,6 mm und in der Regel mit zwei Klemmschrauben versehen. Größere Durchmesser wie z.B. 1 ¼ Zoll sind nur selten, wie bsp.weise bei den Straßenrädern von Giant, vertreten.
Das gängige Maß der Lenkerklemmung ist 31,8 mm und in der Regel mit vier  Klemmschrauben versehen.

Vorteile: Die geteilte Lenkerklemmung ermöglicht ein schnelles und unkompliziertes Austauschen des Vorbaus ohne weitere Demontagearbeiten am Lenker. Die meisten Vorbauten können zudem positiv wie negativ verbaut werden, d.h. der Vorbau zeigt entweder eher Richtung Vorderrad oder Richtung Fahrer. Die Höhe am Gabelschaft wird mit Spacern eingestellt, das sind Distanzringe, die vor der Montage unter bzw. über dem Vorbau montiert werden. Doch hier sind Grenzen gesetzt: Mehr als 3 cm Spacer sollten nicht unter dem Vorbau montiert sein, da es im schlimmsten Fall zu Schäden am empfindlichen Gabelschaft führen kann. Darüber hinaus sieht dies auch nicht wirklich schön aus.

Generell machen Spacer über dem Vorbau relativ wenig Sinn und die meisten Rennradfahrer kürzen den Gabelschaft bis zur Oberkante des Vorbaus. Wir empfehlen jedoch, immer einen Spacer über dem Vorbau zu lassen, sodass man im Fall der Fälle den Vorbau doch nochmal erhöhen kann.

Nachteile: Da der Steuersatz über die Vorbaukappe eingestellt wird, muss nach dem Lösen der Klemmverbindung am Gabelschaft auch der Steuersatz neu eingestellt werden. Das ist zwar relativ simpel, birgt jedoch eine weitere Fehlerquelle bei der Montage.
Alter Vorbau Standard

Alter Vorbau Standard

Alter Standard war bei Rennrädern bis zu den 90er Jahren der sog. Schaft Vorbau. Hier wird der Vorbau von oben in den Gabelschaft gesteckt, die Klemmung über die obere Schraube erzeugt. Der Vorbau verkeilt sich mit einem Spreiz- oder Schrägkonus (Schrägkonus im Bild) im Schaft der Gabel.

Der Durchmesser des Vorbauschaftes muss in jedem Fall zu dem Innendurchmesser des Gabelschaftes passen, hier gab es durch unterschiedliche Standards oft Abweichungen. Das gängigste Maß war jedoch 22,2 mm. Die Lenkerklemmung hatte einen damals üblichen Durchmesser von 26 mm und war in der Regel nur mit einer Klemmschraube versehen.

Vorteile: Der Vorbau konnte bis zur maximal erlaubten Markierung in der Höhe stufenlos verstellt und der Steuersatz musste für die Demontage des Vorbaus nicht gelöst werden.

Nachteile: Da die Lenkerklemmung meist nicht geteilt war, war ein Austauschen des Vorbaus oder des Lenkers nicht ohne weitere Demontagearbeiten am Lenker möglich, d.h. Lenkerband und Bremshebel mussten dafür entfernt werden. Trotz der Höhenverstellung war der Winkel fest vorgegeben, eine andere Montagerichtung war nicht vorgesehen. Das Gewicht des Schaft Vorbaus liegt ebenfalls deutlich über dem des Ahead Vorbaus.

Der richtige Vorbau für dich

Der richtige Vorbau für dich ermöglicht dir deine gewünschte Sitzposition. Ob sportlich-aerodynamisch oder entspannt komfortabel - welche Möglichkeiten bereits das Umdrehen des Vorbaus mit sich bringt, macht das untere Bild deutlich. Eine Höhenänderung des Lenkers von mehr als 30 mm ist mit ein und demselben Vorbau durchaus möglich.

Extreme Winkel von bis zu 30° Grad oder die Wahl einer anderen Vorbaulänge können ebenfalls den Komfort und die Aerodynamik beeinflussen. Zu vermeiden sind besonders kurze Vorbauten von < 90 mm, sie machen das Lenkverhalten träge und schwerfällig. Zudem liegt in diesem Fall –solltest du einen so kurzen Vorbau benötigen- wahrscheinlich ein zu großer Rahmen vor. Sehr lange Vorbauten von 130 mm und mehr belasten durch die großen Hebelkräfte den Gabelschaft sehr stark und sollten ebenfalls vermieden werden. Solltest du einen so langen Vorbau benötigen, liegt wahrscheinlich ein zu kleiner Rahmen vor. Typische Rennrad-Vorbauten liegen zwischen 90 mm und 120 mm Länge und sind in 10 mm Schritten abgestuft.

Die verschiedenen Montagemöglichkeiten des Vorbaus
Bildnachweise: www.tune.de

Material und Preise:

Wie bei allen Bauteilen stellt sich beim Vorbau auch die Budget- und Materialfrage.
  • Die Preisspanne ist relativ groß, einfache Modelle aus Aluminium gibt es ab ca. 10 €, Carbon Vorbauten kosten gerne bis zu 300 €.
  • Was das Material betrifft, ist der Aluminium Vorbau etwas unproblematischer und schrauberfreundlicher als die Modelle aus Carbon.
  • Neben dem günstigeren Preis ist er nicht so empfindlich gegen falsche Drehmomente und es gibt nur bei ausgewiesenen Leichtbauteilen eine Gewichtsbeschränkung.
  • Zu beachten ist ebenfalls, dass der Vorbau nach einem Sturz oft beschädigt sein kann und gerade Vorbauten aus Carbon für den Laien schwer zu überprüfen sind. Zudem sind sie im Ersatzfall dementsprechend teuer. 
Wir empfehlen dir daher nur einen Carbon Vorbau, wenn du dir über die richtigen Vorbaumaße zu 100% im Klaren bist, über ausreichend Erfahrung bei der Montage und das passende Werkzeug verfügst und bereit bist, für einen kleinen Gewichtsvorteil einen höheren Preis zu bezahlen.

Vorbau/Lenker Kombinationen:

Im hochwertigen Race und Aero Segment finden sich oft Carbon Lenker, bei denen gleich ein Vorbau integriert wurde.
  • Diese Lenker/Vorbau Einheit hat den großen Vorteil, dass eine mögliche Fehlerquelle mit der Klemmverbindung zwischen Vorbau und Lenker entfällt, obendrein wird noch etwas Gewicht gespart.
  • Allerdings sind die Einstiegspreise für eine solche Kombination mit 300 € relativ hoch, außerdem solltest du dir über die Maße absolut im Klaren sein, da hier Vorbaulänge und –winkel nicht mehr verändert werden können.
  • Nach einem Sturz musst du im schlimmsten Fall die gesamte Kombination austauschen.

Vorbauten für die Kategorie Race

Zipp Vorbau Rennrad
Ein typischer Vorbau der Kategorie Race ist aus Aluminium mit einem Winkel von 6° bis 8° Grad und negativ montiert, also Richtung Vorderrad. Für eine sportliche Sitzposition fällt er tendenziell länger aus, also eher 110 mm bis 130 mm. Leichtbaufans greifen hier auch gerne zu aufwendig erleichterten Aluminium Varianten oder gleich zum Carbon Vorbau.

Vorbauten für die Kategorie Aero

Aero Vorbau von 3T
Ein typischer Vorbau der Kategorie Aero ist aus Aluminium mit einem Winkel von 17° Grad und negativ montiert, also Richtung Vorderrad. Durch den üblichen Lenkwinkel von 73° Grad ergibt sich ein waagerechter Vorbau mit entsprechend tief gebückter Sitzposition. Leichtbaufans greifen auch hier gerne zum Carbon Vorbau oder zu einer Lenker/Vorbau Einheit. Oft ist der Vorbau aerodynamisch optimiert und in den Rahmen integriert.

Vorbauten für die Kategorie Tour/ Endurance

Ein typischer Vorbau der Kategorie Tour/Endurance ist aus Aluminium mit einem Winkel von 6° bis 8° Grad und positiv oder negativ montiert. Für eine entspannte Sitzposition fällt er tendenziell kürzer aus, also eher 100 mm bis 110 mm. Carbon- oder Leichtbauteile sind in dieser Kategorie eher unüblich.

Vorbauten für die Kategorie Gravel/Cyclocross

Ein typischer Vorbau der Kategorie Gravel/Cross ist aus Aluminium mit einem Winkel von 6° bis 8° Grad. Bei Bedarf kann dieser auch positiv montiert werden. Er fällt tendenziell kürzer aus, also eher 90 mm bis 100 mm. Carbon- oder Leichtbauteile sind in dieser Kategorie eher unüblich. 

Montage und Einstellung des Vorbaus

Ein häufig auftretender Montagefehler ist ein zu hohes Anzugsdrehmoment. Oft denken Rennradfahrer, dass diese wichtige Verbindung besonders fest angezogen werden muss, doch das ist nicht der Fall. Das vorgeschriebene Drehmoment ist meist auf dem Vorbau vermerkt und sollte penibel eingehalten werden. Gerade an empfindlichen Gabelschäften aus Carbon können sich sonst schnell Schäden bilden. Hier auch auf das Drehmoment des Gabelschaftes achten. Sollten sich diese unterschieden immer das geringere Drehmoment wählen.

Der Vorbau muss von seiner Form her ebenfalls zum Gabelschaft passen. Gabelschäfte aus Carbon sollten nur mit Vorbauten kombiniert werden, die in ihrem Klemmbereich keine Aussparungen, Ausfräsungen, Bohrungen oder sonstige materialreduzierten Maßnahmen haben. In diesem Fall wird die Klemmkraft nicht über den gesamten Umfang übertragen, sondern punktuell oder ringförmig, was schnell zu Schäden führen kann.
Merke: Bei Gabelschäften sollte nach der Montage des Vorbaus nichts mehr vom Gabelschaft zu sehen sein.

Für eine korrekte Montage des Ahead Vorbaus folge einfach unserer kurzen Anleitung:

Empfohlenes Werkzeug dafür sind passende Inbusschlüssel, bzw. Inbussteckeinsätze und ein Drehmomentschlüssel.
  1. Vorbau, Gabelschaft und Lenker müssen sauber und fettfrei sein
  2. Bei der Material Paarung Aluminium Vorbau und Aluminium Gabelschaft einen dünnen Film Montagefett gegen Kontaktkorrosion auftragen
  3. Bei der Material Kombination Aluminium/Carbon und Carbon/Carbon darf kein Fett verwendet werden, dafür solltest du eine spezielle Carbon-Montagepaste verwenden (sie erhöht die Reibung der Klemmverbindung auch bei kleinen Drehmomenten).
  4. Den Vorbau mit entsprechend vielen Spacern unterhalb und oberhalb der Klemmung auf die gewünschte Höhe bringen und unbedingt darauf achten, dass der Vorbau den Gabelschaft vollständig umschließt. Die Klemmung bleibt jetzt noch offen.
  5. Die Vorbaukappe auflegen und über das Anziehen der Inbusschraube den Steuersatz spielfrei einstellen. Es handelt sich um eine Einstellschraube, keine Befestigungsschraube, meist reicht hier schon ein Drehmoment von 1,5 Nm oder 2 Nm.
  6. Den Vorbau gerade ausrichten und die Klemmschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen.
  7. Den Lenker in der gewünschten Position montieren und je nach Material Paarung Montagefett oder Carbonpaste verwenden, die Klemmschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen.
  8. Bei Leichtbauteilen mit geringen Drehmomenten kann zur Erhöhung der Sicherheit eine mittelfeste Schraubensicherung (z.B. Loctite) verwendet werden.
  9. Abschließend den festen und gerade Sitz von Lenker, Vorbau und Steuersatz prüfen, ggf. nachjustieren.
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