Dez 08

Mountainbike vs. Gravelbike – Welches Fahrrad passt zu dir?

Du willst dich nicht nur auf Radwege oder gut ausgebaute Strecken beschränken – deine Trainingsrunden und Kurztrips führen dich regelmäßig in den Wald und durch unwegsames Gelände. Sowohl mit den bewährten Mountainbikes, als auch mit den noch jungen Gravelbikes hast du für solche Zwecke geeignete Bikes zur Auswahl, die dich auch im tiefsten Schlamm nicht alleine lassen. Ihre Robustheit und ihr breites Einsatzgebiet sind die Gemeinsamkeit dieser beiden Offroad-Vertreter, aber es gibt auch deutliche Unterschiede hinsichtlich der Ausrichtung und Ausstattung. Wann du mit einem Mountainbike gut beraten bist und für welche Zwecke ein Gravelbike die richtige Wahl sein kann, haben wir für dich in diesem Beitrag zusammengestellt.

Mountainbike oder Gravelbike?

Mountainbikes sind in der Regel reine Offroad-Bikes und werden je nach Schwerpunkt unterschiedlich ausgestattet und aufgebaut – vom einfachen Hardtail über das vollgefederte Fully und das alpin einsetzbare Enduro bis hin zum aggressiven Downhill Bike. Der breite Lenker, sowie eine dem Einsatzzweck entsprechende Federung und die Option unterschiedlicher Laufradgrößen stellen wohl die größten Unterschiede zum Gravelbike dar.

Gravelbikes sind eine noch junge Entwicklung aus dem Rennradbereich. Der Grundgedanke, das Rennrad alltagstauglicher zu machen und in leichtem Gelände weiterfahren zu können, hat diese schnellen und universellen Bikes hervorgebracht. Für Allwetter-Pendelfahrten, Trainingsfahrten im Winter, sportliche Radreisen und Abenteuertouren ist dieses Bike wie geschaffen – robust und flexibel im Aufbau, aber vortriebsstark genug, um als echtes Sportgerät wahrgenommen zu werden.

Im folgenden Text haben wir die charakteristischen Merkmale beider Bike-Typen für dich aufgelistet:

MTB vs Gravelbike

Was ist ein Mountainbike?

Mountainbikes sind für den Einsatz in grobem Gelände gebaut worden. Wald- und Schotterwege, sowie lose und matschige Untergründe und anspruchsvolle Trails bis hin zu extra angelegten Pisten sind das bevorzugte Terrain von Bikes dieser Kategorie.

Grob profilierte Reifen mit einer Breite ab 2 Zoll bieten die dafür erforderliche Traktion und dämpfen Sprünge zusätzlich über ihr großes Luftvolumen. Im MTB Bereich kannst wählen zwischen den agilen Mountainbikes mit 27,5 Zoll (650b) und den laufruhigen Mountainbikes mit 29 Zoll großen Laufrädern wählen – die altbekannte Laufradgröße 26 Zoll ist nur noch selten an zu treffen.

Der Antrieb deckt meist einen großen Einsatzbereich ab, denn von steilen Kletterpassagen bis zu temporeichen Abfahrten benötigt der Mountainbiker den jeweils passenden Gang. Gängiger Standard im MTB Bereich ist über alle Preis- und Qualitätsstufen hinweg immer noch die Kettenschaltung mit Zweifachkurbel, allerdings werden höherwertige Mountainbikes zunehmend mit dem noch jungen Einfachkurbel Antrieb ausgestattet.

Bei den Bremsen waren die Mountainbikes seinerzeit Vorreiter und haben die Scheibenbremse am Fahrrad etabliert. Von der einfachen und mechanisch betätigten Variante bis hin zum leistungsstarken und hydraulisch betätigten Exemplar bietet die Scheibenbremse unabhängig von Schmutz und Wetter maximale Verzögerung und ist daher ideal für den ruppigen Offroadeinsatz.

Der Hub von Federgabel und Dämpfer werden von der Ausrichtung und dem Schwerpunkt des Bikes bestimmt, sollen Unebenheiten abfedern und für eine gute Traktion und Bodenhaftung sorgen. Einfache Hardtails für leichtes Gelände verfügen meist über 100mm Federweg an der Front, Touren-Fullys dagegen besitzen für den längeren Einsatz in gemäßigtem Gelände Federwege zwischen 120mm und 140mm; die Enduros mit der Eignung für mittelschweres bis alpines Gelände weisen oft Federwege zwischen 150mm und 180mm auf. Downhillbikes müssen Sprünge aus großen Höhen verkraften und hindernisreiche Abfahrten bewältigen, daher sind Federwege zwischen 180mm und 240mm notwendige Voraussetzung und gängiger Standard in dieser Kategorie.

Im unteren bis mittleren Preissegment bieten die Hersteller vereinzelt Mountainbikes mit einer StVZO Ausstattung an, um sie alltagstauglicher zu machen. In der Regel werden Schutzbleche und Beleuchtung jedoch nur bei echtem Bedarf und dann meist als leicht zu entfernende Steck-Variante verwendet.

Durch seinen robustem Aufbau, die standfesten Bremsen und die breit abgestufte Schaltung ist das Mountainbike zudem interessant für besondere Aufgaben. So sieht man nicht selten auf Alltagstauglichkeit getrimmte MTBs mit Fahrradanhängern.

Beachte zum Thema Mountainbike auch unsere separaten Ratgeber:

Was ist der Unterschied zwischen Hardtail und Fully? Du weißt es nicht? Hier gibt es die Antwort.
  • MTB im Detail
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Was ist ein Gravelbike?

Gravelbikes sind von der Kategorie her zwischen Rennrad und Cyclocrosser einzuordnen und eignen sich perfekt für Fahrer, die ihr Rad zu etwa 2/3 auf der Straße und zu 1/3 auf Schotter- und Waldböden bewegen. Sportliche Fahrten bei jedem Wetter und auf wechselnden Untergründen sind das bevorzugte Revier dieser Bikes, so dass du praktisch 365 Tage im Jahr Rennradsaison hast.

Die Reifenbreite spiegelt das breite Einsatzgebiet wider und variiert von 28mm (sehr sportlich) bis 42mm (sehr komfortabel), wobei die Reifen durchweg profiliert sind. 28“ Zoll große Felgen sind in Anlehnung an das Rennrad durchweg üblich, für mehr Geländegängigkeit und eine Ausrichtung zum Reiserad bieten einige Hersteller jedoch mit 27,5 Zoll (650b) eine weitere Laufradoption an.

An Gravelbikes findest du nahezu alle Varianten an aktuellen Übersetzungen: Von der klassischen Rennradübersetzung mit Kompaktkurbel, über kleine Crossübersetzungen, bis hin zu den noch jungen Einfach-Kurbeln werden diese Bikes je nach Ausrichtung und Schwerpunkt passend bestückt.

Was in der Rennradszene zu großen Diskussionen geführt hat, ist an Gravel Bikes willkommener Standard: Hier werden ausschließlich Scheibenbremsen verbaut, da sie bei schlechter Witterung und hoher Zuladung schlicht und einfach über die bessere Bremsperformance als klassische Felgenbremsen verfügen. Günstige Modelle haben noch mechanisch betätigte Scheibenbremsen, die höherwertigen Bikes bremsen mit hydraulischen Scheibenbremsen.

Auch wenn Gravelbikes dem Rennrad entspringen, sind sie von der Sitzposition her gemäßigter als reine Rennräder. Ein kürzeres Oberrohr sorgt in Verbindung mit einem längeren Steuerrohr für eine aufrechtere und kompaktere Sitzposition, wodurch das Bike ideale Langstrecken- und Reiseeigenschaften besitzt. Ein Stack-to-Reach-Wert von etwa 1,5 (beschreibt die goldene Mitte) bis 1,65 (sehr komfortabel) stehen dabei für eine sportlich-entspannte Sitzposition.

Gravelbikes haben aufgrund ihres breiten Einsatzzweckes obendrein die Möglichkeit, bei Bedarf Schutzbleche und Gepäckträger zu installieren. Durch diese Eigenschaft sind sie für Fahrten bei jedem Wetter gerüstet und eignen sich perfekt als Basis für den Aufbau zum Reiserad. Einige Hersteller rüsten ihre Gravelbikes bereits ab Werk mit fester Beleuchtung und leichtlaufenden Nabendynamos auf, um für sportliche Ganzjahres- und Allwetterfahrer interessant zu sein.

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Mountainbike oder Gravelbike? – Gegenüberstellung beider Bikes

Beide Bikes sind weitestgehend offroadtauglich, jedoch in unterschiedlichen Arten von Gelände zuhause.

Während das Mountainbike viele Talente von Uphill bis Downhill besitzt und auch für schwerstes Gelände geeignet ist, ist das Gravelbike das universelle Gerät für sportliche Ganzjahresfahrer.

Je ruppiger und unwegsamer das Gelände wird, desto eher benötigst du eine Federung, um das Bike in der Spur zu halten. Sollten zudem Sprünge zu deinem Fahrstil gehören, ist eine (Voll)Federung unausweichlich – dieses Terrain kannst du nur mit einem Mountainbike bewältigen.

Das Gravelbike bietet dir auf unbefestigten Wegen annähernd Rennrad Performance, zudem lässt es sich meist leicht mit Gepäck ausstatten, um sportlich auf große Tour zu gehen. Als alternatives Trainingsgerät für die Herbst- und Wintermonate eignet es sich ebenso gut, wie für alltägliche Trainingsfahrten in neuem Terrain, wobei sich die Offroadeignung auf Schotter- und Waldböden beschränkt. Durch den Verzicht auf eine Federung hat es dem Mountainbike gegenüber einen klaren Gewichtsvorteil, der mit sich in einem leichteren Handling und stärkeren Vorwärtsdrang zeigt.

Wahlmöglichkeiten bei Mountainbikes und Gravelbikes

Wenn du dir Modelle beider Kategorien anschaust, wirst du je nach Preisklasse und Interpretation des Herstellers eine breite Auswahl an potentiellen Bikes für deine Zwecke vorfinden.

In der Übersicht kannst du die Gewichtung der einzelnen Kategorien beider Bikes gut erkennen:

Kategorie Mountainbike Cyclocross
Straße + +++
Lose und matschige Böden +++ ++
Trails +++ +
Sprünge/Downhill +++
Tempo ++ ++
Gewicht + ++
Training +++ +++
Wettkampf +++ ++

Qualität und Budget

Ein Mountainbike bekommst du bereits ab moderaten 300 € – dafür gibt es einfachste und robuste Technik, mit der du in den Offroad Sport reinschnuppern kannst. Günstige Modelle verfügen über eine mechanische Scheibenbremse, die du in dieser Klasse der ebenfalls erhältlichen Felgenbremse in jedem Fall vorziehen solltest. Der Preis klettert durch alle Klassen bis auf ca. 10.000 € hoch, wobei du mit zunehmendem Preis leichtere Rahmen, hochwertigere Materialien, bessere Komponenten und ein geringeres Gesamtgewicht erwarten darfst. Der größte Teil des Preises machen in der gehobenen Klasse dabei die Federelemente und der aufwendig gestaltete Rahmen aus.

Bei den Gravelbikes dagegen liegt zwischen der Einsteigerklasse und dem High-End Bereich gerade mal eine Spanne von 3000 €. Von 1000 € bis 4000 € bekommst du auch hier mit zunehmendem Preis leichtere Rahmen, bessere Materialien, hochwertigere Komponenten und ein geringeres Gesamtgewicht.

Aufgrund der unterschiedlichen Preisgefüge beider Bikes orientieren wir uns in der folgenden Gegenüberstellung an der Preisspanne der Gravelbikes und stellen das preislich gleichwertige MTB dagegen.

Preisklasse 1000 € bis 1500 €

Mit einem Budget von 1000 € bis 1500 € steigst du bereits in ein qualitativ hochwertiges Niveau ein. Solide verarbeitete Aluminiumrahmen sind in dieser Klasse durchweg üblich, im Gravelbike Segment ist hier oft schon eine leichte Carbongabel verbaut, bei den MTBs gibt es schon gute und einstellbare Luftfedergabeln. Bei den Bremsen setzen beide Bikes konsequent auf die Scheibenbremse und auch bei der Schaltung gehen beide Bikes ähnliche Wege: Sowohl die MTBs als auch die Gravelbikes verfügen teilweise schon über den leichten und modernen Einfachkurbel Antrieb. Mountainbike Hardtails dieser Klasse wiegen ca. 12 kg, das Gewicht der Gravelbikes liegt unter 10 kg.

Preisklasse 1500 € bis 2000 €

In der gehobenen Mittelklasse bekommst du in beiden Kategorien bereits eine top Ausstattung: Leichte Carbonrahmen sind bei den Gravelbikes in dieser Preisklasse schon üblich, ebenso wie die qualitativ hochwertigen Schaltgruppen Shimano 105 oder Ultegra und die standfesten hydraulischen Scheibenbremsen. Die MTB Hardtails dieser Klasse verfügen ebenfalls schon über leichte Carbonrahmen, die MTB Fullys über hochwertige Aluminiumrahmen, dazu kommen eine voll einstellbare Luftfedergabel und stabile Laufräder mit Steckachsen. Mountainbikes wiegen in dieser Preisklasse schon unter 12 kg, während die Gravelbikes bei ca. 9,5 kg liegen.

Preisklasse 2000 € bis 3000 €

Die Oberklasse bietet eine rundum hochwertige Ausstattung und lässt kaum noch Wünsche offen. Leichte und edle Carbonrahmen mit Vollcarbongabel gehören bei Gravelbikes ebenso zum guten Ton wie hydraulische Scheibenbremsen, steife Laufräder mit Steckachsen, sowie hochwertige Schaltgruppen wie Shimano´s Ultegra oder einem leichten Einfachkurbel Antrieb von Sram. Das Gesamtgewicht liegt in dieser Klasse unter 9 kg. MTB Hardtails auf 29“ Zoll Laufrädern bieten in dieser Klasse ebenfalls einen aufwendig gefertigten Carbonrahmen, eine sensibel ansprechende Federgabel, sowie große dimensionierte Bremsanlagen und leichte Einfachkurbel Antriebe – leichte und solide Technik also für begeisternde Offroad Abenteuer mit einem Gesamtgewicht von gerade mal 11 kg.

Preisklasse 3000 € bis 4000 €

Die High-End-Klasse begeistert selbst Radsportler mit höchsten Ansprüchen: Alles wird noch einmal leichter, steifer und edler. Rahmen, Gabel und Anbauteile sind größtenteils aus hochwertigem Carbon und du bekommst in beiden Kategorien absolut wettkampffähiges Material an die Hand. Edle Einfachkurbel Antriebe wie die Force 1 oder GX Eagle drücken in Verbindung mit leichten Laufradsätzen das Gesamtgewicht bei den Gravelbikes unter 8,5 kg und bei den Hardtails unter 10 kg.

Alternative für Unentschlossene

Wer sich an dieser Stelle immer noch nicht zwischen Mountainbike und Gravelbike entscheiden kann, sollte einen Blick auf das Slate von Cannondale werfen. Mit der Federgabel aus eigenem Haus verschiebt Cannondale das Gravelbike mehr in Richtung Mountainbike und macht es für gröberes Gelände einsetzbar. Durch den gebogenen Rohrlenker bleibt es dabei vortriebsstark und vom Fahrgefühl schnell und direkt wie von einem hochwertigen Gravelbike gewohnt.

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Über den Autor

Fährt gerne: XCO, XCM, Road, Cyclocross

Bikes: BMC TeamMachine SLR01 Disc, Specialized S-Works Epic, BMC Roadmachine 03, Ridley X-Night

Lieblings-Radrevier: Bergstraße & Odenwald

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